Wendepunkt


Urvi Jangam - 26. Mai 2012


Er steht vor der Tür des Tegeler Gefängnisses und ist frei. Javahar war ein Freiheitskämpfer. Wegen seiner aktiven Teilnahme am Freiheitskampf in Indien wurde er 1937 von den Briten nach Deutschland verschleppt. Nach 10 Jahren sieht er jetzt wieder die Welt ohne schwedische Gardinen. Er ist ein gut aussehender Mann, 1,80 Meter groß, mit breiten Schultern und großen Nasenlöchern. Das erste, an was er denkt, ist seine Familie. Er denkt an das sympathische Gesicht seiner Frau Bhairavi. Seines Erachtens nach, ist Bhairavi die schönste Frau der Welt! Er stellt sich vor, dass sie ihn mit Rangoli, den wundervollsten Blumengirlanden, vor der Tür herzlich willkommen heißt. Er erinnert sich an seine Tochter Assawari, das fünfjährige Kind. Sie war nicht besonders groß für ihr Alter, ihre großen braunen Kulleraugen hatten häufig gelacht und ihr Schwarzes Lockenhaar war ihr dabei immer in das kleine Gesicht gefallen. Sie stand vor der Tür als er von der Polizei abgeholt wurde. Sie hatte heftig geweint und war bereit alle Spielzeuge ab zu geben um ihren Vater zu befreien. Tränen kommen ihm in die Augen, während er daran zurückdenkt. Ob Assawari ihn wohl erkennen wird, nach der langen Zeit? Und was mag wohl aus Indien geworden sein, der fernen Heimat? Mit gemischten Gefühlen macht er sich auf die lange Heimreise.

(c) Urvi Jangam / Mumbai 400097 INDIEN


zurück zur Seite Urvi Jangam
zurück zur Seite Vita und Werke
zurück zur Startseite

Wendepunkt

BLAutor - Arbeitskreis blinder und sehbehinderter Autoren - www.blautor.de