Mir ist, als sinke ich seit Jahren

Unaufhaltsam


Ursula Patzschke


Mir ist, als sinke ich seit Jahren,
durch ständig wechselnde Schattierungen
aus Hell und Dunkel,
Wie lange sink' ich noch.
An jedem Tag verlier' ich eine Winzigkeit,
nur eine Linie, oder die Kontur,
und jedes Jahr wäscht mehr die Farbe aus den Dingen,
unaufhaltsam schmilzt die Welt.

Ich sammle darum, was ich kann,
und schichte Bild auf Bild mir
im Zettelkasten der Erinnerungen.
Willkürlich ordnet das Gefühl.
Selbst das Geringste ist, hat man 's verloren, schön,
das Ungeschehene aber, das Versäumte, schmerzt.

So wie ein Bettler nicht auf Reichtum hofft,
wer hungert, Brot nur will, sonst nichts,
so dürst' ich nach dem frühen Sonnenstrahl,
der auf der weißen Wand zerbricht, sich so,
nur so, an mich verschenkt.
Wenn eines Tags er nicht mehr kommt,
bin auf dem Grund ich angelangt.

(c) Ursula Patzschke (Erben) / Halle


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