Mein Schlüsselkind


Ursula Patzschke


Wach auf, Katinka,
und erschrick nicht. Wenn der Wecker klingelt,
bin ich schon lange im Betrieb
Auch wenn es draußen dunkel ist,
steh auf, sonst schläft du wieder ein.

Komm iss, Katinka,
mach dir die Milch ein bisschen warm,
ich hab' dir alles hingestellt.
Ich weiß, alleine schmeckt es nicht,
drum nimm den schönen Apfel mit.

Pass auf, Katinka,
vertrödle nicht im Spiel die Zeit,
du weißt, ich muss ganz sicher sein,
dass kein Wasserhahn mehr läuft
und das die Lampen dunkel sind.

Die Mütze noch, Katinka,
häng' dir den Schlüssel um den Hals,
ich hab ihn in die Tür gesteckt.
Schließ ab, und spring nicht auf den Treppen,
denn wenn du fällst, bin ich nicht da.

Sei brav, Katinka,
und geh den graden Weg zur Schule,
den wir zusammen eingeübt.
Und warte an der großen Kreuzung,
bis auch andre Leute geh'n.

Fühlst du, Katinka,
dass ich mit zärtlichen Gedanken
an jedem Morgen bei dir bin,
mir angstvoll dich schon älter wünsche,
was ich doch eigentlich nicht will?

(c) Ursula Patzschke (Erben) / Halle


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