Mein Herbst ist da

Herbstgedanken


Ursula Patzschke


Mein Herbst ist da, die Ernte eingetragen,
der Wind geht rauer, Töne werden leiser,
voll Wehmut schau ich über's Stoppelfeld.
Die Grenzen, die ich niemals überschritten,
verschwimmen schon im blauen Abendlicht.
Der dunkle Graben, quer durch seine Mitte,
den ich verzweifelt aufzufüllen suchte,
könnt ich doch nur mit leichtem Grün verdecken,
ist immer mir noch wie ein Schnitt im Fleisch,
der brennt und schmerzt und nicht vernarben will.

Ein jeder dieser abgeschnitt'nen Halme
trug einst ein Datum, das mir wichtig schien
und das nur ich allein noch lesen kann.
Noch stecken ihre Wurzeln fest im Boden,
gleich, ob sie Ähren oder Unkraut tragen,
zieh ich aus ihnen immer doch die Kraft,
die ich noch brauche, bis der Winter kommt.
Dann pflüge ich zum letzten Mal den Acker,
dass eine Spur von mir bleibt, bevor
mein Mund sich mit dem großen Schweigen füllt

(c) Ursula Patzschke (Erben) / Halle


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