Leihmutter


Ursula Patzschke


Meine Unterschrift hatte wohl einen Grund,
dann ist er mir aber abhanden gekommen
in der sterilen Atmosphäre
klinischer Geschäftigkeit.

Ohne Wunsch und ohne Lust
habe ich dich, Fremdling, empfangen,
nun wächst du in mir.

Du trinkst meine Kälte und erfrierst nicht?
In meiner Gleichgültigkeit fühlst du dich wohl?
Was immer ich erlebe und empfinde,
erlebst und empfindest du mit mir,
ich aber kenne dich nicht.

Eines Tages spürte ich dein Klopfen,
und ich fragte: “Was willst du?"
Und du antwortetest: “Mutter."
Da fühlte ich dich ganz nah an meinem Herzen.
Wie kann ich dich nun gehen lassen?

Der Vertrag? - Der Vertrag!
Mit meiner Unterschrift zerschnitt
die Nabelschnur ich schon in mir,
und selbst die Schmerzen löschen nicht
den Namenszug.

Zwanzigtausend wollen verdient sein.

(c) Ursula Patzschke (Erben) / Halle


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