Kann man auch so das Leben lieben?


Ursula Patzschke


Ich steh' an einem Tag im Leben,
da ist die Welt nicht mehr im Lot.
Es soll kein Licht mehr für mich geben?
Ist das nicht schon der halbe Tod?

Soll nur noch bitte, danke sagen,
auf and're angewiesen sein?
Hat auch das Schicksal mich geschlagen,
das kann noch nicht das Ende sein.

Mein halbes Leben steht noch offen,
oh nein, das akzeptier' ich nicht!
Jedoch, was kann ich noch erhoffen,
bleibt mir nichts and'res als Verzicht?

Kann man auch so das Leben lieben?
Ich will 's versuchen, bin gesund,
vier Sinne sind mir noch geblieben,
dazu Verstand und Herz und Mund.

Kann ich nicht riechen all den Duft,
den die Natur so reich verschwendet?
Und Töne dringen durch die Luft,
die die Welt ringsum mir sendet.

Ich kann doch fühlen, ich kann denken,
ich kann doch sprechen und versteh'n,
ich kann doch so viel Wärme schenken,
und irgendwie muss es doch geh'n.

Hier hilft kein Jammern, keine Klage,
ich selbst muss handeln, etwas tun,
muss vieles ändern, ohne Frage,
es nicht Zeit, um auszuruh'n.

Ich geb' nicht auf, ich will es lernen,
denn Mitleid war mir stets verhasst.
Ob ich 's erreich', steht in den Sternen,
doch ich will leben, wie mir 's passt!

(c) Ursula Patzschke (Erben) / Halle


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