Hiroshima


Ursula Patzschke


Ich seh' das Foto von dem Stückchen Mauer,
das einsam in dem Meer aus Trümmern steht,
und mein Entsetzen überschwemmt die Trauer,
das Grauen durch Jahrzehnte zu mir weht.

Ein nackter Stein, geborsten und zerschunden,
worauf die Glut ihr Menetekel schrieb,
den Schattenriss des Menschen, der verschwunden,
von dem nicht mehr als dieser Schatten blieb.

Den Arm erhoben wie in jähem Schrecken,
man ließ ihm keine Zeit für Wort und Ruf.
Vor diesem Bild kann niemand sich verstecken,
ein Mahnmal, das die Bombe selber schuf.

Ich hör' den stummen Schrei, ich schrei' sein Stöhnen
und fluche dir, du tausendfacher Kain.
Dein Werk lebt noch und wirkt in deinen Söhnen.
Ich wehr' mich, ich will nicht solch Schatten sein.

(c) Ursula Patzschke (Erben) / Halle


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