Des Hundes Horizont ist klein

Illusionen


Ursula Patzschke


Ein jedes Wesen sieht die Welt
aus and'rer Perspektive -
der Vogel hoch am Himmelszelt,
der Hund, der auf der Erde bellt,
der Maulwurf in der Tiefe.

Der Vogel hat den weit'sten Blick,
drum sieht er nichts genauer.
Er wähnt sich frei, im höchsten Glück,
bemerkt nicht Hinterlist und Tück',
schwups - sitzt er schon im Bauer.

Des Hundes Horizont ist klein,
er sieht ringsum nur Beine.
Dressur prägt ihm so manches ein,
doch will er einmal Hund nur sein,
schwups - spürt er schon die Leine.

Der Maulwurf, tief im Erdengrund,
vollbringt im Dunkeln Taten.
Er schaufelt sich die Pfötchen wund,
er sammelt fleißig Pfund auf Pfund,
schwups - liegt er auf dem Spaten.

Der Mensch in seinem Wahne denkt,
dass ihm nichts könnt' missraten,
er fühlt nicht, wie die Leine lenkt,
wie hart der Käfig ihn bedrängt
und wie ihm droht der Spaten.

(c) Ursula Patzschke (Erben) / Halle


zurück zur Seite Ursula Patzschke
zurück zur Seite Vita und Werke
zurück zur Startseite

Des Hundes Horizont ist klein - Illusionen

BLAutor - Arbeitskreis blinder und sehbehinderter Autoren - www.blautor.de