Der Olivenbaum


Ursula Patzschke


Mühsam saugt das Reis mit zarten Wurzeln
Leben aus dem sonnverbrannten Kalk.
Es braucht viel Zeit, man gab sie ihm,
denn der es pflanzte, dachte nicht an sich,
er dachte an die Enkel.

Erst in Jahrzehnten wird das Reis zum Baum,
der zäh und knochig jeden Sturm besteht,
doch wenn, im dicken Blattgewirr versteckt,
sich seine unscheinbaren Blüten öffnen,
wird es nach Jugend duften.

Der Baum schenkt, was er hat: den Schatten,
das Öl zum Braten, für die Lampe, für die Haut,
und gegen seine Feinde auch als Waffe
sein hartes Holz, denn wer den Ölbaum fällt,
der tötet Generationen.

(c) Ursula Patzschke (Erben) / Halle


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