Ein Mann, eine Pistole und eine Frau


Theo Floßdorf

(Beitrag zum BLAutor-9-Wörter-Schreibwettbewerb 2015.
Die in den Text aufzunehmenden Pflichtwörter: Bild, Märchen, Papier, Radio, Schwachsinn, Stein, Überraschung, Wahl und Wunder.)


Im Hintergrund dudelte das Radio. Sie hasste solche Musik. Vorsichtig spähte sie durch den Türspalt ins Zimmer. Bald würden die ersten Hochrechnungen zur Wahl kommen. Gut so. Er saß am Schreibtisch und arbeitete immer noch an seinem Artikel für die Morgenpost.

Sie schlich hinein. Die Pistole lag schwer und sicher in ihrer Hand. Sie richtete den Lauf probeweise auf das Aquarium, auf das Foto seiner Mutter, auf das Zifferblatt seiner Uhr, auf die Stelle zwischen seinen Schulterblättern.

Da kritzelte er wieder seine Märchen aufs Papier. Kein Wunder, was sie hier tat. Sie vermied, zu atmen. Zugegeben, vielleicht war es Schwachsinn, aber jetzt, wo die Kinder aus dem Haus waren und eigene Familien hatten, jetzt war es so weit. Auf diese Überraschung wäre er nicht vorbereitet.

Sie drückte ab. Ihr erster Schuss traf das Bild. Kein Problem. Nicht schade drum. Ihr zweiter Schuss traf eine Sekunde später seinen Hinterkopf. Es spritzte. . . stärker, als sie gedacht hätte. . . bis auf den Stein, seinen Lieblingsbriefbeschwerer.

Er wirbelte herum. Bevor er sie erreichte, hatte sie noch zwei mal abgedrückt. Wieder zwei Treffer!

“Ach Schatz, es macht solchen Spaß, in der alten Spielzeugkiste der Kinder zu kramen. Da drin war die Wasserpistole.”

(c) Theo Floßdorf / Bergheim (Rhein-Erft)


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