Der kleine Drache


Theo Floßdorf

(Beitrag zum BLAutor-9-Wörter-Schreibwettbewerb 2014.
Die in den Text aufzunehmenden Pflichtwörter: Drache, Eis, Härte, Kaktus, Regenschirm, Stimmung, Teppich, Vorsicht und Wüste.)


In seinem Traum flog der kleine Drache immer höher. Längst konnte er die Wolken von oben sehen. Er fühlte sich frei und glücklich, ließ seine Flügel durch den Wind sausen und genoß den Höhenrausch. So ein Rausch war zwar ungesund; das hatte er gelernt. Aber diese euphorische Stimmung war zu verlockend. . . Schließlich gab es auch eine Menge zu sehen, und das wiederum war sicher lehrreich. Ganz im Norden zum Beispiel, da leuchteten Berge aus Eis, strahlend wie blaue Edelsteine. Dort sollte man nicht runter gehen, denn die Härte am Boden war an den Krallen unangenehm.

Er nahm eine große Linkskurve und sah auf einmal viele Menschen mit Regenschirm. Das musste England sein.

Weiter im Süden erstreckte sich ein ganzes Land aus Sand. So etwas nannten die Menschen Wüste. Dort würde er später vielleicht landen, denn der Sand war weich, und es war dort gemütlich warm.

Plötzlich erschrak er. Jemand rief: “Vorsicht!”. Ein fliegender Teppich kreuzte seine Bahn. Darauf saß ein Mann mit Turban, der einen Kaktus in der Hand hielt. Der kleine Drache ärgerte sich. Solche Märchenfiguren konnte er nicht leiden, die es in Wirklichkeit ja gar nicht gab.

Sein Ärger weckte ihn auf. . . weil auch gerade der Wecker klingelte. . . weil er jetzt aufstehen musste. . . weil heute schließlich sein erster Schultag nach den Ferien sein würde.

(c) Theo Floßdorf / Bergheim (Rhein-Erft)


zurück zur Seite Theo Floßdorf
zurück zur Seite Vita und Werke
zurück zur Startseite

Der kleine Drache

BLAutor - Arbeitskreis blinder und sehbehinderter Autoren - www.blautor.de