Die Melone


Simon Kuhlmann


(Veröffentlichung im Rahmen des Projekts "Meine Stadt schreibt ein Buch)"


Eines Mittags kaufte Elke O.,
Sachbearbeiterin in einem Büro,
im REWE in der Nähe ihrer Arbeitsstelle eine Melone.
Sie aß davon mit mäßigem Appetit,
denn die weitgereiste Frucht war nicht so der Hit,
und so tat sie den Rest in den Kühlschrank von der Melone.

Es war der letzte Tag vor ihrer Urlaubszeit,
der Stress war groß, dann wurd' es höchste Zeit
und sie verließ das Gebäude mit Hast, aber ohne die Melone.
Drei Wochen genoss sie ihr Urlaubsglück
und dachte nicht einmal an die Frucht zurück,
aber ich werd euch jetzt erzählen, wie's weiterging mit der Melone.

Drei Tage später oder so
fand Jürgen M. aus einem andern Büro
im Kühlschrank die inzwischen ausgelaufene Melone.
Er machte einen Zettel an die Tür:
"Wer ist schuld an diesem Saustall hier?
Ich bitte um baldige Beseitigung der Melone."

Alle lasen sie den Zettel interessiert
und betrachteten das "Auslaufmodell" schockiert,
doch keiner erbarmte sich und beseitigte die Melone.
Statt dessen war es groß, das Geschrei:
"Wieso grad ich!? Ich bin nicht schuld an der Schweinerei!
Und ich bin auch keine Putzfrau! Was hab ich zu schaffen mit der Melone!?"

Apropos Putzfrau: Die wurde auch gefragt,
aber auch die hat ganz klar nein gesagt:
"Bin ich nur fier Bodden und Papierkorb, nix fier Kiehlschrank und Melone."
Kurz: Es blieb im Kühlschrank drin
und gammelte munter vor sich hin,
das, was kaum noch aussah wie Melone.

Das alles ist jetzt schon mehrere Jahre her
und ob ihr's glaubt oder nicht, mittlerweile steht er
im Museum, der Kühlschrank, versifft von der Melone.
Und eine gewisse Elke o.,
ehemals Sachbearbeiterin in einem Büro,
wird als Künstlerin gefeiert und besonders für ihr größtes Kunstwerk: die Melone.

(c) Simon Kuhlmann / Königswinter


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