Einmal Zürich und zurück


Simon Kuhlmann


Am Rosenmontag des Jahres 2008 fuhr ich vom Rheinland aus mit dem Zug sechs Stunden nach Zürich, sah jedoch nicht nur wegen meiner Blindheit nichts von der Stadt, sondern fuhr gleich mit der Tram weiter nach Binz, aß in der Kantine Currywurst, aber nicht, wie in Deutschland, mit Fritten, sondern mit Kartoffeln und Bohnen, streute beim anschließenden Kaffee einen größeren Teil des Zuckers neben die Tasse, das Vorstellungsgespräch, für das ich gekommen war, lief dann reibungslos, als es zu Ende war, fegte ich allerdings beim Anziehen meiner Jacke ein Glas vom Tisch (Scherben bringen Glück). Am Nachmittag fuhr ich wieder nach Deutschland, wo ich einige Tage später meine Bewerbung aus finanziellen Überlegungen (oder war es in Wirklichkeit einfach Feigheit?) zurückzog, weswegen ich nicht Lektor bei der Schweizerischen Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte wurde (die Scherben waren also umsonst).

(c) Simon Kuhlmann / Königswinter


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