Meine Liebste


Sara Rietz - Oktober 1997


Sehr gut kenn' ich dich schon lange.
Schreiend begrüßte ich dich einst.
Gleichgültig, leis' empfingst du mich
und liefst mir immer schnell davon.

Ein großes Geschenk bist du mir.
Ehrlich soll ich es gestehen.
Viel Schönes hast du mir gebracht;
für deine Gaben sag' ich Dank.

Manchmal nutzte ich deinen Schatz,
mal träumte ich nur vor mich hin.
Doch die Schläge spürte ich bald.
Sie taten weh von deiner Hand.

Mit Geduld trug ich deine Last,
denn gnädig warst du oft zu mir,
heiltest eilend meine Wunden,
und wieder konnte froh ich sein.

Festhalten wollt' ich dich so gern,
doch du flogst wie ein Schmetterling
leicht, geräuschlos weiter ... weiter,
und vergebens griff ich nach dir.

Du kommst und gehst, verschwindest rasch
und immer stiehlst du mir etwas.
Du bist dennoch meine Liebste,
Wohltäterin, Diebin zugleich.

Ich fleh' dich an, flieh nicht von mir!
Zurückhalten möcht' ich dich oft.
Dazu fehlt mir die Fähigkeit
und die Kraft, die allmählich sinkt.

Du raubst sie von mir irgendwann,
und ich nehm' mit einem Seufzen
einen schweren Abschied von dir,
meine liebe, teuere Zeit.

(c) Sara Rietz / Pirna


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