Kampf gegen den Substantivierungswahn


Sara Rietz - 16. März 2005


Die Lehrerin schreibt ihre Notizen ins Klassenbuch ein, dann stellt sie freundlich wie immer die Frage: "Nun, Kinder, wie habt ihr geschlafen?"
"Gut, gut", hört sie die Antwort von hier und dort.
"Es freut mich. Ihr seid also ausgeruht und werdet euch bestimmt richtig an den Stoff, den wir zuletzt gelernt haben, erinnern."
"Ja, ja."
"Klara, sag mir bitte, was war das Thema der letzten Grammatikstunde?"
"Die richtige Wortfolge im Aussagesatz."
"Danke. Peter, nenne mir bitte die Regel."
"Subjekt, Prädikat, Objekt."
"Richtig. Welche Möglichkeit gibt es noch, Ilona?"
"Den Satz darf man auch mit Umstandswörtern wie Zeit, Ort usw. beginnen, aber das Prädikat muß immer auf der zweiten Stelle stehen, dann kommt das Subjekt, ihm folgt das Objekt. Beispiel: In der Küche kocht meine Mutter das Mittagessen."
"Sehr schön hast du es erklärt. Damit haben wir also die mündliche Aufgabe wiederholt. Ihr habt aber auch eine schriftliche Hausaufgabe. Wer möchte sie vorlesen? Edith, bitte."

Das Substantivieren
Eine kleine Gruppe unserer Schulklasse hat das Planen einer Weiterbildung bewußt gepflegt. Das Überlegen ging in die Richtung, wie man durch das Lernen und Üben der grammatischen Regeln das gründliche Kennenlernen der Sprache erreichen kann. Aus diesem Grund wurde das Realisieren eines Zusammenkommens mit anderen Interessierten in einem staatlich unterstützen Objekt vorgenommen. Dabei war das Ziel, das Entfalten der sprachlichen Schönheit durch das Sensibilisieren der Zuhörer zum Genießen des Stils zu bringen. Mit Singen, Tanzen, Musizieren sollte dann das Treffen zu Ende gehen. Auf diese Art und Weise wollte unsere Gruppe ihr Können und ihre Fähigkeiten zum Präsentieren vorstellen. Es ging leider nicht, denn das Vorhaben platzte, bevor das Kämpfen und Ringen für das Anerkennen anfing. Das Verschieben dieses Planens entmutigt uns nicht, denn wir verzichten nicht auf das Mitmachen und Gestalten der Gesellschaft. Das gemeinsame Bestimmen unserer Pläne hilft uns weiter. Nicht wahr?

"Danke", sagt die Lehrerin. "Nun, Kinder, was ist euere Meinung über diesen Stil?"

(c) Sara Rietz / Pirna


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