Kaffeepause


Sara Rietz


Der Nachmittag schien für die beiden Kinder trostlos zu werden. Sie durften das Zimmer nicht verlassen. "Hier ist es für euch sicherer", hatte die Mutter gesagt.

Nun hockten sie lustlos in der Ecke, als ein Mann ins Zimmer trat.

Es war der Mann, den die Kinder im Hof schon gesehen hatten. Er trug eine Tasse Kaffee, setzte sich an den Tisch und winkte die Kinder zu sich. Neben die Tasse hatte er etwas gestellt. Was war das, etwas Schwarzes und etwas Weißes auf Beinen. Vorsichtig kamen die Kinder näher. Auf der Tischplatte in Höhe der Augen der Kinder standen tatsächlich zwei Spielzeughündchen, und plötzlich begannen die zu tanzen. Es war ein Tanz auf vier Füßen, leicht und elegant, den die Hand des Mannes hervorzauberte. Besonders ulkig sah es aus, wenn die Hündchen sich zu beißen schienen. Die Kinder staunten, begannen zu lachen, und leise lachte sogar der Mann.

Ab und zu mussten die Tiere ausruhen, wenn die Zauberhand die Tasse zum Mund führte. Dabei blieb die Hand, die eben noch zaubern konnte, ganz ruhig. Die Kinderaugen verfolgten alles genau und warteten, dass die Hündchen wieder sprangen. Sie traten dichter an den Tisch. Ihre Finger brannten von dem Wunsch, die Hündchen zu berühren. Ob sie es durften, sicher nicht, schließlich gehörten sie dem großen fremden Mann in Uniform.

Nun tanzten die Hunde wieder fröhlich und ruhten, wenn die Tasse zum Mund gehoben, daraus getrunken und zurück gestellt wurde. So ging es eine Weile abwechselnd, bis die Tasse leer war.

Das konnten die Kinder nicht sehen. Sie wussten es nur, denn der Mann war aufgestanden, und fragend schauten sie hoch in sein Gesicht.

Der Zauberer legte seine Hände auf ihre Schultern, beugte sich zu ihnen, als wollte er etwas sagen, wegen der Hündchen. Doch er schwieg. Das Staunen der kleinen Augen reichte ja für die Verständigung, und vielleicht gab es da ja auch ein Quentchen Glück darin. Außerdem wussten die Kinder, dass der Mann ihre Sprache nicht verstand.

Als der deutsche Soldat gegangen war, standen die Hündchen, weiß und schwarz und steif und starr auf dem Tisch, bis die Kinder ihnen neues Leben gaben.

(c) Sara Rietz / Pirna


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