Unendlich Universum

(Rubrik: Sinnsuche)


Katrin Dinges


In deinen Armen lieg' ich.
Geborgen an deiner Seite, gedeckt durch die Schwingen deines Haars.
Deine Wärme schützt mich vor der Kälte.
Deine dunkle Freude, deine helle Dunkelheit sind tief in mich eingewoben worden:
in die Fasern, aus denen auf dem Webstuhl des Friedens meine Heimat
geschnitten wurde.
Schmerzliche Freude, lachendes Leid erfüllen mich mit schöner Anmut,
regen mich an zum Tanz.

Ich schaue nach oben - siehe, das unendliche Universum mit den hell
leuchtenden Sternen,
es zwinkert mir zu und der silberne Mond schaut mich an mit seiner
uralten, tiefdunklen Weisheit.
Sie singen ihr altes Lied der Wa/eisen, die Lehren, was das Schicksal bringt,
aus deren Stoff Geschichten und Räume geschneidert werden.

Ich schaue nach unten - siehe, das unendliche Universum mit seinen
tiefen Strudeln,
mit seinen Wellen und Strömen raunt mir sein ewiges Vor und Zurück der
Gezeiten entgegen.
Mit seinem Murmeln und Glucksen, mit seinem Kichern und Kosen,
Korallen und Krebsen, Muscheln und Moränen,
mit seiner unendlichen Weisheit wiegt es mich sanft durch die Wunder der Welt.

Dorthin möchte ich ziehen - an den Rand der Erde, ins weite Universum hinaus.
Ich bekomme schon hier einen Vorgeschmack von seiner Harmonie, seiner
Schönheit, Anmut, Grazie.

Dorthin möchte ich ziehen.
ihre Wellen umspielen mich,
ihr gleißendes Licht blendet mich,
ihr tiefes Dunkel nimmt mich auf.

Doch da bist du.
Du rufst mich zurück.
Du ermahnst mich, vorsichtig zu sein.

Geh nicht zu weit hinaus, sagst du.
Am Ende findest du keine Wege, keine Stege mehr
und löst dich auf im unendlichen Sternenmeer, im nie endenden Wasser des Ozeans.

Du hast mich angeschaut mit traurigen Augen, doch ohne Angst, so als
müsstest du diese Worte sagen
und wüsstest doch, dass ich gehen muss ...

Ich bin dort gewesen!
Ich habe sie gesehen, die endlosen Weiten,
gespürt in meinem Blut den Wind der Sternenfelder,
in meinem Haar das endlose Fluten des Wassers.

Ich habe Schätze dort gefunden,
die unsichtbar und doch so unermesslich wertvoll sind,
dass sie nicht in hundert mal unendlich Jahren könnten aufgewogen sein
mit Mondensilber.

Ich bin zurück gekehrt.
Und auf mein Antlitz fällt ein Abglanz nur
von jenem unbegreiflich mystisch-tiefen Born voll altehrwürd'ger Weisheit.

Frieden, tiefer Frieden hüllt mich ein.
Er füllt mich aus bis in meine letzte Pore.
Ich nehme einen kleinen Tropf' des wenigen, das ich behalten durfte,
des neblig weißen, monddurchwirkten Silberstreifs
und fülle ihn in einen Krug voll reinen Wassers -
beides ein Geschenk des Borns.

Ich gebe jedem Dürstenden ein wenig nur zu trinken.
Doch viel ist schon, was er bekam für dieses mal.

Es fragt sich noch im stillen kühlen Garten,
das Wesen,
wie es würde sein ...

(c) Katrin Dinges / Berlin


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