Ich zünde eine Kerze an

(Rubrik: Lyrik/Gedichte)


Katrin Dinges


Ich zünde schweigend eine Kerze an.
Ihre kleine Flamme wärmt mich heute Nacht.
Streift meine Hände, steigt in Kreisspiralen himmelan.
Duftend, knisternd hat sie mir die Stille mitgebracht.

Wohin reicht das Licht?
Bis wann? Vielleicht bis morgen?
Durchdringt sie Dunkelheit? Erhellt sie dein Gesicht?
Bist in der großen Stille du heut auch geborgen?

Nach dem Ausblasen bleibt der Rauch
der uns verrät: Hier brannte eben noch
das Licht, erfüllte uns mit seinem gold'nen Hauch.
Wir sehen's nicht mehr und wir wissen's doch.

So ist es mit den Worten, mit dem Schweigen:
Verklingen sie, ward Wichtiges gesagt.
Zwischen den Zeichen sieh im Dichterreigen,
was eben noch der Sänger uns geklagt.

Erst wenn er schweigt, kann seine Rede reifen.
Erst wenn das Licht erloschen, lebt der Glanz noch fort.
zwischen den Lettern kann die Botschaft greifen.
Schweig still und lausche stetig fort.

(c) Katrin Dinges / Berlin


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