Suchen und Finden


Karin Ziegler


Heute war nicht Susis Tag. Sie fühlte sich unwohl. Gewitter lag in der Luft und ihre Laune war auf dem Nullpunkt angelangt.

Sie zog sich an, um in die Stadt zu gehen. Da fiel ihr Armband herunter. “Verdammt noch mal”, schimpfte sie und ging auf die Knie und suchte mit der Hand den Boden ab bis unter den Küchenschrank. “Iii”, schrie Susi entsetzt auf. Ihre Finger hatten in etwas Nasses gefasst. “Was war das?”, ging es ihr durch den Kopf. Die Brühe lief an ihren Fingern herunter. Langsam umfasste sie das runde Etwas und holte es hervor. Es war eine Apfelsine, die durch Schimmel bereits in Fäulnis übergegangen war. Sie war bestimmt aus dem Netz gefallen und unter den Schrank gerollt und Susi hatte es nicht bemerkt.
“So eine Sauerei. Was bin ich für ein Esel, hätte ich doch die Apfelsinen nachgezählt”, wetterte Susi. Sie wusch sich und verließ das Haus, um ihre schlechte Laune aufzufrischen.

Nach einem Frustspaziergang kam sie an eine Bank im Schatten. Eine Schwalbe mit einem Strohhalm im Schnabel flog an ihr vorbei.
An der Hauswand sah Susi ein angefangenes Nest, in das der Halm eingearbeitet wurde. Susi schmunzelte. Die Schwalbe kam jedes Jahr wieder. Sie hielt dem Haus und seinen Bewohnern die Treue.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, doch bald werden es viele sein. Sie ging fröhlich in ihre Wohnung zurück und suchte das Armband.

(c) Karin Ziegler / Wuppertal


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