Mein Umzug


Karin Ziegler


Vor acht Jahren kam ich von Thüringen nach Wuppertal und fand eine 46 Quadratmeter große Wohnung nahe der Barmer City. Sie entsprach völlig meinen Bedürfnissen, hatte zwar keinen Balkon, war aber schön hell. Das war für mich wichtig, da ich aufgrund einer Netzhauterkrankung im Dunkeln nichts sehe.

Doch nun hat sich meine Sehkraft verschlechtert und ich muß mir ein Lesegerät und einen Computer anschaffen. Dafür wurde die Wohnung zu klein. Außerdem wollte ich einen Balkon, damit ich die Sonne genießen kann, wenn ich aufgrund meiner Sehkraft nicht mehr so viel laufen kann. Nach langer Suchzeit hatte ich sie gefunden, mit Balkon und Blick ins Grüne, ruhige Lage, große Wohnküche, alles in allem 60 Quadratmeter.

Eine Nachbarin mit Partner wollte mir beim Tapezieren und Teppichboden helfen. Das Aussuchen der Tapeten und der Teppichbeläge wurde für mich schwierig, da ich aufgrund des grauen Stars die Farben blau, grau, grün, rötlich, gelblich nicht unterscheiden konnte, weil die Beleuchtung in den Verkaufsräumen nicht dem Tageslicht entsprach. Also war ich auf meine Nachbarin angewiesen Sie beschrieb mir die Ware. Ich nahm mit gelben Blümchen fürs Wohnzimmer passend zu Kirschbaummöbeln, mit blauen Blümchen fürs Schlafzimmer und mit bunten für die Diele.

Weiße oder beige Tapete wollte ich für die Küche. Meinen Bekannten gefiel eine mit komischen Figuren, die angeblich Wappen sein sollten. Ich kaufte Tapeten und Zubehör sowie Teppichböden und Leisten. Meine Bekannten begannen zu tapezieren und ich räumte meine Schränke aus in die Umzugkartons. Mal fehlten zwei Rollen Tapete, mal eine, oder der Leim ging aus. Ich war ständig auf Achse. Abnehmen wollte ich schon immer, dachte ich und lief von alter Wohnung zum Tapetengeschäft und zum neuen Domizil, Das Wohnzimmer war fertig, das Schlafzimmer angefangen, dann wurden die beiden krank. Ich hatte mir zwar drei Wochen Zeit eingeräumt, doch langsam kamen mir die wenn und aber. Beim Teppichboden im Schlafzimmer fehlte ein Stück, weil hier kein Balkon war. Also kaufte ich noch 70 Zentimeter, die am Fenster hinter dem Bett ausgelegt wurden. Endlich war auch dieser Raum fertig. Und die Küche kam an die Reihe. Als die erste Wand fast tapeziert war, sah ich zum Entsetzen, dass die komische Tapete mit den Figuren daran war. Die Bekannten hatten gedacht, dass sie mir gefiel. Wieder einmal nicht hingehört, wie es viele Leute machen. Ich tröstete mich letztlich damit, dass ich diese Tapete wenigstens sah, da die Figuren dunkel auf weißem Grund waren. Zuletzt wurde die Diele tapeziert Belag sollte später gelegt werden.

In der Zwischenzeit hatte ich auch meine Schränke ausgeräumt und alles in Kartons verpackt. Nun konnte die Umzugsfirma in Action treten. Ich brauchte mich um nichts zu kümmern sagte mir der Chef. Vier Stunden ausräumen, aufladen und zur neuen Wohnung fahren - doch das Auto konnte nicht parken, es war kein Platz da. Mittagspause. Danach alles noch besetzt. 18 Uhr sollte ein neuer Anlauf gestartet werden. Zwischenzeitlich stellte ich Mülltonnen auf, wenn ein Auto wegfuhr. Hätte ich nur vorher alles selbst organisiert. 18 Uhr war endlich alles frei und der Transport konnte beginnen. Als das Wohnzimmer fertig war, schlossen mir die Männer den Fernseher an, damit ich ihnen nicht im Wege stand, da es bereits dunkel war. 22 Uhr war alles geschafft. Ich machte drei Kreuze. Schränke standen da, wo sie hin sollten, die Kartons schön an der Wand der Wohnküche aufgestapelt, so dass sie mir nicht im Weg waren. Auspacken und einräumen konnte ich später - ich hatte Zeit - zwei Tage später fuhr ich zum Langstocktraining.

(c) Karin Ziegler / Wuppertal


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