Spuren hinterlassen


Karin Klasen


Barfüßig über einen südseeweißen Sandstrand schlendernd, hinterlasse ich Spuren in der schier unendlichen Weite. Am Meeressaum bleibe ich stehen und sehe zu, wie leckende Wellen meine Füße umspülen, bis sie eingesunken und verschwunden sind. Nur wenige Augenblicke bleiben diese Abdrücke, dann werden sie von der nächsten Welle fortgespült. Es ist nur der flüchtige Abdruck des Lebens in einer vergänglichen Welt. Ich könnte mir noch so viel Mühe geben, um hier ein Kunstwerk zu schaffen; es hätte keinen Bestand. Weiter hinten, im festen Sand, fabriziere ich ganze Kolonnen von Fußspuren, die in einer Spirale enden, deren Mittelpunkt ich bin! Sandsonnige Grüße, lache ich.

Triumphal erhebt sich Wind und beginnt freiheitsliebend seinen überlegenen Einfluss auszuspielen. Mit pastoral-gebieterischem Gehabe mahnt er mich eindringlich ob der Vergänglichkeit. So, als sei er davon besessen Gegenwärtiges zu löschen, zwingt er dem Sand seinen Willen auf. Wie ein Schleier stiebt er auf, nimmt mir die Sicht und löst mein Werk, diese misslungene Zähmung der Vergänglichkeit, auf. Wolken, Wind und Sand gehören zusammen; scheinen eins zu sein, wie Gegenwart, Vergänglichkeit und Erinnerung. Ich habe Dinge geschaffen in dem Wissen, dass sie vergänglich sind. Habe mit Freude versucht anderen ein wenig Glück zu schenken, und das Gleiche hundertfach zurückbekommen. Das Wertgefüge des Lebens scheint aufeinander abgestimmt, indem immer wieder Raum für Neues geschaffen wird.

Eines Tages, wenn das Leben in mir seinen Koffer gepackt hat, werde auch ich durch die ungezügelte Wildheit des Lebens weggewischt, werde sterben; werde nicht mehr sein. Was wird bleiben wenn ich gehe? Die Erinnerungen an mich werden eine Zeitlang wachgehalten/bleiben. Sie werden eine Verbindung zwischen Begegnungen und Verschwundensein darstellen. Ich wünsche meinen Lieben keine verklärten Erinnerungen an mich; viel eher die Freude, ein Stück ihres Lebensweges mit mir gegangen zu sein.

Ich will keinen Grabstein, dessen Gravur von der Zeit verschluckt werden wird. Ich wünsche ich mir, dass sie lächeln, wenn sie an mich denken; das wäre schön!

Irgendwann, wenn meine Küsse längst vergessen sind, wird auch das letzte Erinnerungs-Puzzle-Teil an mich, durch den Sturm der Vergänglichkeit verschwunden sein.

Dann ist es an der Zeit; dass das Leben einen neuen Weg findet!

(c) Karin Klasen / Wirscheid


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