Regal-Poesie


Karin Klasen


Ordnung muss sein; auch in meinem Kopf.
Zu oft purzeln meine Gedanken durcheinander; fallen übereinander her wie Gummibärchen in ihrem Tütengefängnis.
Die unzähligen Gedanken ordnen, ihnen einen Platz zuzuweisen, um einem Chaos vorzubeugen wäre bestimmt lohnenswert; und besser zu finden wären sie, selbstverständlich in Kategorien eingeordnet, auch.
Ein komplexes Ablagesystem - hochkarätig bestückt!
So schwelgte ich, nach anfänglichen Schwierigkeiten, in einem Eldorado der Möglichkeiten.
Selbst erschaffene Fantasiewelten, massenhaft überholte Erinnerungen; Relikte, die zu spirituellen Keimzellen mutiert wären und für einen reibungslosen Ablauf meines Gefühlschaos‘ sorgten, lagerten aussortiert in dunklen Nischen - Distanz als Regulativ!

Schubladen will ich keine! In ihnen, fürchte ich, ist und bleibt ein Gedanke statisch, unabänderbar gefangen. Ich aber will das Gegenteil: Kein automatisiertes, festgelegtes und damit rückständiges Denken! In jedem Augenblick soll mir das leidenschaftliche Rendezvous flexibler Gedanken zur Verfügung stehen.
Bedeutungsvolle Edelhappen, damit jederzeit abrufbar, stünden in vorderster Reihe!
Vehement widersetzte ich mich, wenn pastöse Buchstaben sich zu unzulänglichen Satzgebilden reihen wollten.

Wenn auch Jahre vergehen würden ehe ich sie, ihrer Wertigkeit entsprechend, eingeordnet hätte, so fühle ich mich schon jetzt reich an Möglichkeiten. Alle Gedankenströme, auch die weniger guten, wären übersichtlich sortiert, so dass ich in Sekundenschnelle auf sie zugreifen könnte. Keine überflüssige oder gar befremdliche Suche nach Worten, sondern punktuelle fundierte Aussagen.
Welch bizarre und zugleich verlockende Überlegung/Reiz!

(c) Karin Klasen / Wirscheid


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