Mode ist Geschmackssache


Karin Klasen


Lacht nicht! Ich lasse höchstens ein wohl gesonnenes Lächeln gelten. Bloß weil ihr nicht meinen Mut zur Farbe habt, müsst ihr über mein Outfit nicht die Nasen rümpfen. Ich bin das Mannequin vom Acker!

Bin schlank und rank; und obendrein stets gut gelaunt, denn mir persönlich macht das Fasten überhaupt nichts aus. Das ist nun einmal unerlässlich; schließlich will ich meine 1-A-Figur noch lange behalten. Schon meine Mutter sagte immer: “Kind, von nichts kommt nichts!”

Am liebsten trage ich Modelle aus Frankreich, denn die Franzosen verstehen viel von der Mode! Knallbunte oder gar schrille Farben haben es mir, wie auch manchem Modedesigner, angetan. Ein feuriges Rot zum Beispiel, kombiniert mit einem kräftigen Orange, das hat doch was!

Nach meiner Meinung sollte ein Jeder tief in die Farbpalette der Haute Couture greifen; dann würden unser aller Augen auch im tristen Wintergrau von malkastenfarbig gekleideten Menschen erfreut. Verständlicherweise freut sich unser Gemüt gerade dann über knallige Farbeffekte.

Selbstverständlich gehe ich jetzt im Herbst nicht mehr ohne Hut vor die Tür; nicht einmal auf dieses Feld! Schön warm und obendrein schick gekleidet, genieße ich die goldenen Strahlen der Oktobersonne. Ab und zu lasse ich mir vom Wind einen kräftigen Schubs geben, damit ich auch mein Gesicht ein wenig in die Sonne halten kann; schließlich schadet ein wenig Bräune nichts, wenn ich mit geübten Schritten langbeinig über den Catway/Ackerway stolziere.

Jetzt beschleicht mich abermals das Gefühl von euch belächelt zu werden; ich weiß nicht, was ihr habt. Ich fühle mich schön, so wie ich bin! Nur wenige Unwissende nennen mich “Vogelscheuche!”

(c) Karin Klasen / Wirscheid


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