Der Joker


Karin Klasen


Oft ist das Leben hart mit mir umgegangen, dann, wie zum Ausgleich, auch wieder weich und liebevoll. Im großen Lebenskartenspiel zog ich oft genug schwierige, kaum einsetzbare Karten. Dann galt es, nach außen möglichst cool und professionell zu wirken. Mein versteinertes Gesicht ließ keinerlei Rückschlüsse auf mein wirkliches Befinden zu. Bloß keine Regung preisgeben, war meine Devise. Aber war es das, was ich wollte und wonach ich mich sehnte? Charakteristisch für mich war es damals, zu bluffen, schließlich sollte niemand meinen Schmerz erkennen können. So spürte ich auch nicht, wenn mich eine Welle des Mitgefühls erreichte, war ich doch ein Profi in guter Tarnung.

Auch meine Worte trugen, was mein Befinden anging, Tarnkappen. Für dieses vermeintlich sichere Verhalten benötigte ich viel Energie, aber gut fühlte sich meine emotionale Isolation nicht an. Nein, in diesem Tarnkappenmodus wollte ich nach einiger Zeit auch nicht mehr zu Hause sein; abgekapselt von der Dynamik meiner Mitmenschen, breitete sich in mir eine unheimliche Stille aus.

Dann doch lieber ein lebendiges, wachsames Interesse zu allem mich Umgebende; und meine Reaktion darauf, dürfte mir dann ein jeder im Gesicht ablesen beziehungsweise an meinen Worten erkennen.

Immer wieder werden die Lebenskarten neu gemischt und jeder entscheidet sich für jene, von denen er annimmt, sie seien ein gutes Blatt. So nahm auch ich oft genug mit zitternder Hand eine Karte auf, von der ich annahm, es sei die Richtige.

Oft nahm ich Karten auf, die mir ganz und gar nicht gefielen, doch was blieb mir anderes übrig? Einfach aussteigen? Dann schon lieber das Beste daraus machen, damit die medusengleichen Tentakel von längst überholten Gewohnheiten mich nicht meiner Freiheit berauben können!

Ich wünsche mir, immer wieder neue Chancen zu entdecken, um die neue Lebensrunde für mich zu gewinnen, um dann mit schlafwandlericher Sicherheit genau das Richtige tun zu können. Warum soll ich mir von einem schlechten Blatt mein jetziges und zukünftiges Leben ruinieren lassen?

Und doch ist es mir in einem Glücksmoment gelungen, mein schlechtes Blatt durch ein Gutes zu vervollkommnen, denn ich gewann eines Tages einen Joker - meinen Partner fürs Leben!

So fügten wir unsere Leben zusammen, damit Unvollständiges komplettiert werden konnte!

Wer mich nun eine Spielerin nennen möchte, kann das tun; ich aber habe einen Schatz bekommen, den ich nie wieder verlieren möchte. Einen Joker, der mit mir durch dick und dünn geht, der zu mir hält, auch wenn schwere Zeiten kommen. Ein echter Joker ist eben wertvoller als ein Ass im Ärmel!

(c) Karin Klasen / Wirscheid


zurück zur Seite Karin Klasen
zurück zur Seite Vita und Werke
zurück zur Startseite

Der Joker

BLAutor - Arbeitskreis blinder und sehbehinderter Autoren - www.blautor.de