Ötzi


Irene Kersting - Bozen 1998


Die Wissenschaft hat es erfahren:
Er starb vor fünftausend Jahren,
genauer vor fünftausenddreihundert,
er verweste nicht, was sehr verwundert.

Mit sechsundvierzig ist er gestorben,
nun hat er späten Ruhm erworben.
In dreitausend Metern Höhe starb er,
wo wollte er hin, wo kam er her?

Wie kam der Mensch ins Gletschereis
auf seiner allerletzten Reis`?
Wir rätseln: kam er durch einen Pfeil zu Tode?
War seine Kleidung letzte Mode?

Damit der Gesichtskreis sich erhellt,
ist er im Museum ausgestellt.
In Bozen ruht er, mumifiziert -
steht da als Modell - schön ausstaffiert
mit dem, was er am Leib getragen.

An dieser Stelle ist zu sagen:
uns Blinden gab man beste Führung
mit viel Erklärung und Berührung.
Was hatte Ötzi denn im Magen?
War eine der häufigsten Fragen!

Da war nichts - sein Magen war ganz leer,
im Darm war dafür um so mehr.
Steinbockfleisch, Pollen, Getreidegrütze!
Am Kopf trug er eine Bärenfellmütze,
Röhren aus Ziegenfell wärmten die Beine,
er hatte ein Täschchen für Feuersteine,
das war eingenäht im Gürtel aus Leder.
An jedem Pfeil klebte eine Feder.

Die Pfeile steckten im Steinbockköcher,
er trug Schuhe, ganz ohne Löcher,
aus Leder und Gras, und nicht zu kurz.
Aus feinstem Ziegenleder war sein Lendenschurz,
einen Mantel aus Kalbfell hatte er an,
darunter ein Hemd, das wärmte den Mann.

Er trug bei sich ein kupfernes Beil,
befestigt am Stock mit Harz und einem Grasseil.
Nun ruht er bei minus 6 Grad tiefgekühlt,
was hat dieser Mann einst gedacht und gefühlt?
Wer hat denn um Ötzi geweint,
war jemand mit ihm im Tode vereint?

Ja - Ötzi ist schon ein interessanter Mann,
fahrt doch nach Bozen und schaut ihn euch an!

(c) Irene Kersting / Fulda


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