Auszug aus dem fiktiven Tagebuch des Prof. Alois Klar


Irene Kersting - April 2013

(Alois Klar lebte von 1763 bis 1833)


Prag am Mittwoch, 26. Juli 1826

Heute ist ein ereignisreicher Tag für mich gewesen. Obwohl ich schon sehr müde bin, muss ich noch dieses Erlebnis aufschreiben. Wenzel hat mich heute besucht. Vor zwei Tagen kehrte er von seiner Reise aus Paris zurück. Er hat mir etwas mitgebracht, das mich in helle Aufregung versetzte, denn er besuchte zum zweiten Male die Blindenschule. Dort traf er wieder Louis Braille, den jungen, blinden Lehrer. Er hat eine aufregende Erfindung gemacht. Er hat eine Blindenschrift entwickelt, die mir so genial erscheint, dass wir sie unbedingt in unserer Blindenschule lernen und lehren müssen. Wenzel hat eine Metalltafel mitgebracht, in die man mit einem Stichel Löcher sticht, die man dann auf der Rückseite ertasten kann. Natürlich muss dann von rechts nach links geschrieben werden, und die Buchstaben müssen in Spiegelschrift dargestellt werden. Ich bin fasziniert!

Das Leben unserer blinden Kinder und auch der Erwachsenen wird sich vollkommen verändern. Auch sie werden durch die Schrift ein erfüllteres Leben führen können.

(c) Irene Kersting / Fulda


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