Elisabeth


Irene Kersting


Zur Wartburg kam vom Donaustrand
mit großer Pracht gefahren
das Königskind aus Ungarland,
Elisabeth ward es genannt
im Alter von vier Jahren.

So früh schon hat man sie erwählt
zur Braut des Landgrafs Erben.
Wie die Geschichte uns erzählt
wurden die beiden nie vermählt.
Der Knabe musste sterben.

Elisabeth wuchs fromm heran
im höfischen Getriebe.
Ludwig, sein Bruder, war der Mann,
der ihr junges Herz gewann.
Und freite sie aus Liebe.

Zur Landgräfin und Ehefrau
wurde sie mit 14 Jahren.
Den Glauben nahm sie sehr genau,
war begabt mit innerer Schau
und im Gebet erfahren.

Zu den Armen und den Kranken
stieg sie selbst ins Tal hinab.
Mit ihren guten Gedanken
überwand sie viele Schranken
und Regeln, die man ihr gab.

Einst sah ihr Gemahl sie gehen
mit einem Brotkorb in der Hand.
Zornig blieb er vor ihr stehen,
in den Korb hinein zu sehen,
in welchem er Rosen fand.

Beschämt ließ er sie gewähren
was immer sie fortan tat.
Er hielt sie hoch in Ehren
und konnte ihr nicht verwehren,
was sie sich von ihm erbat.

Sie schenkte drei Kindern das Leben,
da war ihr Glück vollkommen.
Die Zukunft schien so klar und eben
bis dass die Losung gegeben:
“Ins heilige Land ihr Frommen!ö

Da zog auch zu dem Kreuzzug fort
ihr herzliebster teurer Gemahl!
Ein letzter Kuss, ein letztes Wort,
schon bald starb er am fremden Ort.
Wer beschreibt da Elisabeths Qual?

Sie fiel in die tiefste Trauer.
Die Tränen flossen so bitter.
Es seufzte gar Stein und Mauer,
auch auf dem Felde der Bauer
beweinte den edlen Ritter.

Die Wartburg hielt sie nun nicht mehr.
Sie ist nach Marburg gegangen.
Ihr Erbe dort war Schutz und Wehr,
sie hat - war auch ihr Herz noch schwer -
ihr Leben neu angefangen.

Sie ließ ein Spital erbauen
und sorgte für die Armen,
pflegte selbst, voll Gottvertrauen,
leprakranke Männer, Frauen
und Kinder voll Erbarmen.

Mit vierundzwanzig starb sie, so jung,
und doch singt ihr Tod vom Leben,
da sie voller Begeisterung
in Liebe und Aufopferung
in Christi Hände gegeben.

Manches um sie ist Legende,
nicht alle Berichte genau,
doch bald nach ihrem frühen Ende
falteten Menschen die Hände
und verehrten die heilige Frau.

Die Heilige aus Ungarland
ist bis heute unvergessen.
Ihr Name, der weltweit bekannt,
wird wohl am häufigsten genannt
in Thüringen und Hessen.

Folgst du, o Pilger, ihrer Spur,
so schau von der Wartburg herab!
Wo einst ihr Pferdewagen fuhr,
sind kurze Autostunden nur
bis nach Marburg zu ihrem Grab.

(c) Irene Kersting / Fulda


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