Doppelte Wende


Irene Kersting


Der Himmel war so strahlend blau,
ein paar Wolken zogen dahin,
und ich sah ihnen lange nach
mit ernstem und betroffenen Sinn.

Sehnsüchtig schaute ich hinüber
in das grüne Thüringer Land,
denn ich stand in der Rhön, am Grenzzaun,
den Blick gen Osten gewandt.

Hier hörte der Weg todsicher auf.
Ich konnte nicht zur Wartburg gehen,
und wollte sie doch immer schon
und auch das ganze Land gern sehen.

Dann geschah das Wunder, nahm seinen Lauf,
krönte das Beten und Hoffen,
die Mauer fiel, die Grenze ging auf,
die Zukunft lag frei und offen!

Da strömten Menschen zusammen
und lagen sich in den Armen,
und waren zutiefst bewegt
und spürten Gottes Erbarmen.

Der Wintertag war sonnig und klar,
als wir zur Wartburg gewandert sind.
Was ich erlebte, war wunderbar,
nur - meine Augen waren jetzt blind!

(c) Irene Kersting / Fulda


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