Die Perle


Irene Kersting

Beitrag zum Joachim-Schnell-Schreibwettbewerb 2006.
Die in das Werk einzufügenden Pflichtwörter waren: Freundschaft, Hölle, Kloster, Kuchen, Leuchter, Mönch, Perle, Prophet, und Ungeduld.


Das Kloster lag abseits im Sonnenschein.
Darin saß ein Mönch im Stübchen allein,
der so eifrig in seiner Bibel las,
daß er den geschenkten Kuchen vergaß.
Im "Buch der Bücher" fand er beschrieben,
wie Menschen von Gottes Geist getrieben
und mancher Prophet, der sein Wort sagte,
nicht selten dafür das Leben wagte.
Der Mönch las mit freudiger Ungeduld,
wie Gott sich erbarmt und tilgt alle Schuld
und wie Jesus einlud: Folget mir nach!
und in Gleichnissen vom Himmelreich sprach.
Da war Lazarus, der arme Mann,
dem sich die Himmelstür aufgetan,
sein Nachbar teilte weder Brot noch Wein
und litt nun in der Hölle große Pein.
Jesus hat auch von dem Kaufmann erzählt,
der sich den Mammon zum Freunde gewählt.
Doch diese Freundschaft ließ ihn nicht ruhen,
und bald füllte sein Geld alle Truhen.
Es war jedoch um den Mann geschehen,
als er die schönste Perle gesehen.
Ohne sie wollte er nicht mehr leben
und hat dafür den Reichtum gegeben.
Die Sonne ging unter am Bergesrand,
da nahm der Mönch einen Leuchter zur Hand,
als er noch einmal alles gelesen
gewann er Klarheit über sein Wesen:
Aus Liebe hat er sich Gott ergeben
und fand so seine Perle, das Leben!

(c) Irene Kersting / Fulda


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