Die Flucht nach Ägypten


Irene Kersting

Beitrag zum Joachim-Schnell-Schreibwettbewerb 2009. Die in das Werk einzufügenden Pflichtwörter waren: Apfelsine, Armband, Esel, Kopf, Laune, Schimmel, Schwalbe. Strohhalm und Treue.


Ein Engel sprach zu Josef im Traum:
Steh auf, nimm Maria und das Kind,
denn Herodes lässt ihm keinen Raum -
darum flieht nach Ägypten geschwind.

Maria erschrak, war bange zu reisen,
ja - zu fliehen, doch rasch packte sie ein.
Das Armband aus Gold von den drei Weisen
konnte von großem Nutzen sein.

Wo kam auf einmal der Esel her?
Mit gesenktem Kopf stand er vor dem Haus.
Maria und das Kind waren ihm nicht schwer -
Josef führte ihn - und so zogen sie aus.

Der Esel schien guter Laune zu sein,
in seinem Blick lagen Demut und Treue -
dennoch bog er nicht in die Straße ein,
er bockte und zeigte keinerlei Reue.

Ein versteckter Pfad führte steil bergan,
dorthin hat der Esel den Josef gedrängt.
Eine Schwalbe mit einem Strohhalm flog voran.
Hatte sie des Esels Schritte gelenkt?

Oben auf der Höhe hielten sie Rast,
geschützt in einem kleinen Orangenhain;
Josef war müde von des Aufstiegs Last,
aß eine Apfelsine und schlief ein.

Marias Blick auf die Straße war frei.
Da sah sie einen Hauptmann auf einem Schimmel
und dann, Soldaten mit Schwertern - Reih an Reih,
sie sank auf die Knie und dankte dem Himmel!

(c) Irene Kersting / Fulda


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