Der Braten


Irene Kersting


(Spontane, kreative Schreibübung zum Thema "Essen" bei der BLAutor-Frühjahrstagung 2013.)


Die Hausfrau sagt zur Köchin sacht:
"Nun liebe Friede gib gut acht,
der Hausherr wünscht sich einen Braten,
wie neulich, der so gut geraten!"

Die Frieda eilt zum Markt im Nu,
doch ihr guter Fleischer hat heut' zu.
Sie geht zu einem andern Stand,
den eine Dame ihr genannt.

Ein Bratenstück kauft sie vom Rind,
Gewürze auch, die nötig sind,
Zutaten für Klöße fein,
das Essen soll ja schmackhaft sein!

Beim Heimweg wird sie dann gewahr,
dass sie beim Pferdeschlächter war.
Sie weiß, und wird es nie vergessen,
die Herrschaft will vom Pferd nichts essen.

So muss sie dies Geheimnis wahren,
mit dem Braten, wie gewohnt verfahren.
Sie hat die Küche gut gemeistert,
Besuch und Herrschaft sind begeistert!

Später - und das kommt selten vor -
ruft sie der Hausherr ins Kontor.
Friedas Herz klopft zum Zerspringen,
was wird dies Gespräch nun bringen?

Der Hausherr schaut sie freundlich an,
und sehr zufrieden sagt er dann,
die Mahlzeit ist sehr gut gewesen,
der Braten war ganz auserlesen!

"Ich möchte Sie dafür belohnen,
hier sind für Sie zwanzig Kronen."
Der Frieda fällt ein Stein vom Herzen,
vorbei sind Ängste und die Schmerzen.

(c) Irene Kersting / Fulda


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