Die NeuOrientierung der Welt


Ines-Kathrin Pape - 23.02.2003


Möchtest du noch eine Tasse Tee Bringfriede?
Nein danke Gotthilf.
Bringfriede verzeih, ich muß gestehen, daß der Glanz deines Weiß immer mehr ergraut.
Ich weiß, es ist nicht so einfach, diese geschöpfte Erde in all ihren Facetten täglich auszuhalten.
Aber schau, die Erde, sie ist auch schön.
Manche Menschen machen für alles Schlechte mich verantwortlich, manche von ihnen benutzen meinen Namen, wieder andere verspotten mich.
Jedoch, wenn ich so von Wolke zu Wolke blicke, bin ich froh, hier oben sind sie dann alle ausgeglichen und freundlich.
Gotthilf, nein, wir sollten etwas Neues ausprobieren oder glaubst du, daß der Himmel in jedem Fall die richtige Adresse ist.
Was ich nicht alles in den letzten Wochen probierte. Sogar mit “Weißer Riese” habe ich täglich gebadet, es half nichts.
Aber meine Liebe, daß ist pure Eitelkeit, damit kommst du nicht weit. Das Verschönen hilft nur diesen kurzen Atemzug.
Du hast vielleicht recht, mit etwas Neuem.
Was meinst du wohl, wen ich zur Teambesprechung laden sollte?
Also ich dachte an den alten König Dav und seinen Sohn Salo und natürlich sollte dein Sohn kommen, wie auch sein Kumpel, lieber Gotthilf.
Ob das klappt, Jes und der Heilige Geist sind gerade im Rehazentrum “Heiligendamm”.
Du weißt Bringfriede, mein Täubchen, bald ist Ostern.
Diese Angelegenheit hat auch etwas mit Ostern zu tun, bitte faxe ihnen, sie müssen unbedingt dabei sein.
Ich hoffe bloß, der Heilige Geist wirkt ein bißchen frischer, nicht erst nach ein paar
Gläschen von der Klosterfrau.
Das mit dem Faxen erledigst besser du, ich bin ein alter Mann der nicht mehr jede Technik beherrscht, hier ist die Anschrift.
Was machst du denn jetzt Friedchen?
Ich habe Dav und Salo eine SMS geschickt um sie zum Intermezzo zu laden.
Mit diesem kleinen Ding, und warum piept es nun?
Ja, mit diesem kleinen Ding, man nennt es Handy. Die Nachricht wurde gesendet und ich habe auch schon die Antwort, sie sind beide bald hier.
Übrigens solltest du dir auch ein Handy zum Geburtstag schenken lassen.
Du hast wieder recht, Technisches ist nicht mein Steckenpferd.
Im dritten Quartal irgendwann, bietet Engel 513 der kassenärtztlichen Vereinigung, Hilfsprogramme für moderne Kommunikation an und ich verspreche daran teilzunehmen.
Gotthilf, da bin ich aber froh, nicht nur der Heilige Geist ist nötig sondern auch der Zeitgeist.
Weiterhin solltest du Moh kommen lassen, und da ich nicht die einzige Frau sein möchte, bitte ich dich auch Moh`s Tochter Fati einzuladen.
Wird prompt erledigt.
Herzlich Willkommen, dem Anstand gebührend, bitte ich zuerst die Damen sich zu setzen,
dann nehmt auch ihr Anderen platz.
Wir wollen in gemütlicher Gemeinschaft über die Dinge diskutieren, die die Menschen in unserem Namen auf der Erde hin und her bewegen.
Bitte richtet explizit den Fokus auf die Erde und versucht eure Ideen in Einklang zu bringen.
Ich habe mir die Erde lange genug in dieser Konstellation betrachten müssen und befürchte, diesen Abstieg nicht mehr aushalten zu können.
Moh bitteschön.
Moh hob an zu sprechen: In der Wüste ist es heiß und die Sonne strahlt sehr intensiv.
Hingegen in manchen Ländern scheint ihre Kraft abgeschwächt. Wenn sie nun überall auf der Welt gleichsam strahlen könnte , eventuell wären die Gemüter der Menschen nicht so aufgeheitzt.
Ich kann dem nur zustimmen, schloß Salo an. Zuviel Sonne macht aggressiv oder lähmt.
Ansonsten sagte die Sonne mir, daß ihr Flächentarifvertrag einer Inventur bedarf.
Jes lächelte, ja ja mein Vater, immer positiv denken.
H m , machte Dav und alle Blicke richteten sich auf ihn.
Man könnte den Mond für eine ABM - Maßnahme gewinnen, so wäre ein halbes Jahr nur Mondschein auf der Erde. Die Sonne indessen, bekommt einen Gutschein für das Solarium.
Dies wäre eine Möglichkeit, konstatierte Gotthilf.
Eigentlich sehe ich gern auf die prächtigen Farben in der Natur. Wenn der Wechsel von Tag und Nacht nicht stattfindet, ewige Dunkelheit sein wird, vielleicht hasten dann meine Menschenkinder nicht mehr so egoistisch durch die Welt.
Es wird der Wunsch nach Licht und Farben wachsen.
Wer schnarcht da?
Also weißt du, Heiliger Geist, übersprühen solltest du vor Begeisterung.
Na ja, an dieser Stelle möchte ich meine Namensänderung vorschlagen.
Gehört denn das hier her, räusperten sich alle anderen.
Jawohl, Jes und ich haben uns im Rehazentrum Gedanken über die Wirkung meines Namens
auf die Menschenkinder gemacht.
In Wirklichkeit werde ich doch eher belächelt, sie sagen, AH, wohl vom Heiligen Geist erleuchtet.
Darüber bin ich traurig geworden, und habe das Saufen angefangen. Der Melissengeist unserer lieben Klosterfrau war mir stets ein warmer Bruder.
Nun wird alles anders. Den Namen, welchen Jes für mich ersonnen, will ich annehmen.
Jetzt waren alle gespannt und schauten erwartungsvoll zu Jes.
Sag schon Jes, flatterte Bringfriede aufgeregt vom Stuhl.
Jes sprach mit sanfter, aber resoluter Stimme: Der neue Name lautet “Religiöser Weitsprung”.
Ein Raunen und Gemurmel ging durch den Konferenzraum.
Ich finde diesen Namen wunderbar sagte Fati schwärmerisch.
Gotthilf sah Fati zweifelnd an, dann nickte er.
Fati fuhr fort, die Antwort ist ganz einfach. Egal wie ein jeder dich liebt und selbst die Menschen, welche dich nur in der Natur zu Hause wissen, könnten, wenn Religiöser Weitsprung in Köpfe und Herzen einzöge, respektvoll nebeneinander leben.
Alle klatschten Beifall und erfreuten sich ihrer Übereinstimmung.
Ich fasse also noch einmal zusammen, unser duales Zweipunkteprogramm besteht aus
Punkt 1: Ablösung der Sonne durch den Mond ( Probezeit für den Mond ein halbes Jahr )
Punkt2: Namensänderung des Heiligen Geist in Religiöser Weitsprung ( Gedankeneinstieg in die Menschenköpfe - besonders tief in die, aller Machtinhaber - ).
Ehe alle sich nun zuprosten konnten ward Gotthilf enthusiastisch aufgesprungen und trat an seinen Schreibtisch.
Was machst du da mein Vater, rief ihn Jes.
Ich, ich habe noch ein Telefon mit Wahlscheibe - sozusagen Nostalgie pur.
Ich rufe jetzt Luzifer an und teile ihm unsere Reformen mit. Natürlich in der Hoffnung, daß auch er einen neuen Kurs einschlägt und in Zukunft sein Höllenfeuer auf Sparflamme setzt.
Na dann sehr zum Wohl meine Lieben - Haleluliah.

(c) Ines-Kathrin Pape / Fürstenwalde


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