Härte des Lesens


Heinrich Thyron - Frühjahr 2004

Parodie zu Hölderlin: Hälfte des Lebens


Mit hehrem Wollen kommet
Und voller feiner Verse
Ihr alle herbei,
Ihr blinden Dichter.
Bald trunken vom Reden
Hebt ihr den Blick,
Er dient euch ja nicht zum Lesen.

Weh euch, was macht ihr, wenn
Es Winter ist, die Heizung eiskalt,
Die Finger steif
Zum Lesen nicht taugen?
Da nützen ja
Handschuhe nicht; doch Kognak
Tut dann oft Wunder.

(c) Heinrich Thyron / Dormagen


Friedrich Hölderlin: Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.


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