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Harald Butterweck - Oktober 2011


Als ich neulich, Anfang Oktober meinen Abendspaziergang machte, begegnete mir unterwegs mein Freund und Kollege Frank. “Gut, daß ich dich treffe”, sagte er. “Ich habe ein großes Problem. Am 1. November soll ich meine Vikarsstelle in Pirmasens antreten, vorher jedoch muß ich heiraten”. “Wieso mußt du”, fragte ich. “Du weißt doch”, antwortete er, “Die Landeskirche wünscht, daß junge Vikare, bevor sie eine Stelle antreten, verheiratet sind, damit die jungen Mädchen der Gemeinde sie nicht von der Arbeit abhalten”.

“Und du hast zur Zeit keine Freundin?”. “Doch”, antwortete er, “ich habe derer drei, ich weiß aber nicht, welche von den Dreien ich heiraten soll. Da ist die Waltraud, die Gisela und die Monika. Du kennst ja alle Drei. Zu welcher würdest du mir raten?” “Alle drei sind sehr nett”, sagte ich, “deshalb kann ich dir die Entscheidung nicht abnehmen”.

“Außerdem muß ich vorher der Kirchenleitung meine Zukünftige vorstellen und um ihre Zustimmung bitten”, fuhr er fort. Frank sah mich eine Weile nachdenklich an. “Das ist genau so, wie wenn ich mich beim Hemdenkauf für eines entscheiden soll”. Da ich Frank wirklich nicht helfen konnte, verabschiedete ich mich und wandte mich meiner Wohnung zu.

Im Dezember desselben Jahres traf ich Frank wieder. “Nun”, fragte ich, “hast du eine Entscheidung getroffen?”. Frank sah mich strahlend an und sagte, “ich habe mich für Monika entschieden. Wir Beide sind glücklich und die Gemeinde hat uns gut aufgenommen”.

Als ich das junge Paar im März des folgenden Jahres in ihrem neuen Heim besuchte, hatte ich den Eindruck, sie sonnten sich immer noch in ihrem Glück. Doch bald gab es ein neues Problem. Franks Schwiegervater war inzwischen verstorben und die Schwiegermutter hatte den Wunsch, zu ihnen ins Pfarrhaus zu ziehen.

Während Monika sofort zustimmte, erbat sich Frank Bedenkzeit. Aus Liebe zu seiner Frau willigte er schließlich ein. Seine Schwiegermutter bezog einer der Zimmer im großen Haus, ging täglich im nahen Wäldchen spazieren und brachte eines Tages ihren neuen Freund samt Schäferhund mit nach Hause.

(c) Harald Butterweck / Köln


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