Sommergedichte (Zyklus)


Friedemann Fuhrmann

 

Erste Fahrt

Es geht wieder los.
Der Sommer kommt.
Noch ist es kalt,
der Wind ist rauh;
Handschuh und Pullover.
Aber es geht wieder los:
Die Räder surren auf Asphalt.
Sandwege fordern uns heraus.
Munter fliegt die Rede durch die Truppe.
Die Flasche kreist, die Bonbontüte.
Meisen und Finken kümmern sich
auch nicht um Temperasturen.
Der Specht trommelt hinter uns her.
Und die Kraniche ziehn nach Norden.


Sommerahnung

Meine Hände spüren in sich den Sommer kommen.
Meine Körperhaut träumt von Sonne,
leichtem Wind und kühlendem Wasser.
Wieder werden die Wände durchlässig:
Das Nahe, Bedrängende ist sehr vorläufig,
wie ein wirrer Traum im Erwachen,
und die freie Ferne ist real.
Worte wie "Liegestuhl", "Luftmatratze", "Sonnenöl",
"Schwitzen", "Schwimmen", "Wandern",
"Wege", "Gewitter", "Lagerfeuer", "Grill"
sind wieder voll durchblutet
und stürzen mit grellen Buchstaben ins Gehirn,
wo sie Unruhe und Unordnung stiften.
..........
Neue Prioritäten, neue Werte!
Was ist denn wichtig, was unausweichlich
Und was muß denn wirklich sein,
und was ist Ballast und morschende Fessel?
Und wieviel beengende Mäntel
könnte ich wohl auszieh'n
und einfach an den Nagel hängen?
Wieviel Kraft wird dabei wohl frei für anderes,
und für was? - - -


Verregneter Sommer

Ich kann mich doch erinnern, daß wir auf Rasen lagen!
Ich weiß doch, wie uns selbst das Hemd zu warm und eng war!
Wir schwammen doch im Fluß und schaukelten
uns Nachmittage lang im Kahn auf blühendem Wasser!
Wir wanderten doch Stund' um Stunde
durch den Duft von Wiesen und Feldern,
durch Waldesschatten, dessen Kühle wohl tat,
und wieder unter Sonnensengen
durch Wolken Staubs auf wüstenheißen Heidewegen!

Ich erinnere mich doch genau!
Es kann kein Traum gewesen sein.
Es war auch nicht in einem andern Land
(so ausgedörrt und flimmerhitzeschläfrig,
lechzend nach nächtlichen Gewittern, die nicht kamen...)
als dem, das unter Tropfen jetzt ertrinkt
und unter kalten, nassen winden schaudert.

Von stummer Klage triefen Busch und Baum.
Das Frühlingslied ertrank, statt zu ermüden.

Wohin schwimmt das Paradies, gejagt
von dem Gebrüll der Engel mit den Flammenschwertern?
Wohin treiben wir? An welchen
Gestaden rollt die Flut des Jahres aus?


An einem Hochsommertag

- I. -

Käfigqualen - Gittergrau -:
Verflucht die öden Pflichten!
Verflucht der Fortschritt und das Geld,
die "freie", kultivierte Welt,
die Schild und Schranke aufgestellt
und Tür und Tor geschlossen,
mit Geist uns übergossen
aus Tinte, Stempel, Schimmelrossen,
wo doch mit Grün und Rot und Blau
mit Berg und See und Wald und Au,
in Mittagsglut und Morgentau
das Paradies noch immer lockt,
dieweil man hinter Tischen hockt,
verwaltet, blutarm und verstockt! -
Man trieb aus Eden uns hinaus
mit jedem neu erbauten Haus,
Elektro-Feuerengel-Graus
und all den blöden Pflichten. -
O Käfigangst! O Gittergrau!


- II. -

Ich weiß überhaupt nicht, warum ich hier sitze,
bei strahlendem Himmel und Sommerhitze!
Und wenn es schon sein muß, daß ich schwitze,
warum nicht zu meinem eignen Vergnügen -
beim Wandern etwa - oder beim Liegen
an duftenden Feldern oder im Sand
am sonnenüberfluteten Strand!
Ich weiß überhaupt nicht, warum ich mich plage
mit Frage auf Frage und Klage um Klage,
zu denen ich immer dasselbe sage!
Was schmeiß ich die Brocken nicht einfach hin
und tue, wonach mir gerade der Sinn!
Weshalb denn lauf ich nicht einfach fort
und verpasse das Leben, die Welt und das Wort -
das Wort, das vielleicht alle Fesseln zerreißt
und endlich besänftigt meinen Geist,
oder das meine Unrast lenkt
und ihr eine neue Ferne schenkt...!


Flucht mit dir

Das Gewirr von Stimmen schwindet wellenweise
hinter Wattewolken, die es dämpfen,
und die Mauern werden transparent.
...........
Da umfängt mich wieder jenes traute Rauschen,
allseits greifbar nah und unlokalisierbar fern.
Ich weiß nicht: Strömt's aus meinen tiefsten Schichten,
oder schwebe ich darin wie Meeresplankton?
Es ist die Tonart aller Melodien,
Trägerfrequenz für jeden Laut:
den Rhythmus unsrer Schritte, unsre Stimmen,
Vogellied und Blätterwispern,
fern die Brandung der Chaussee
und irgendwo ein Bahngeroll...

Unlust und Reizbarkeit hinter den Mauern.
Abwesend such' ich immer wieder Bild auf Bild:
..........
Zwischen übermannshohen Hecken ein Aschenweg;
ein Fußpfad, der in einem Waldstück
sich durch die Büsche windet;
eine Treckerspur im Gras,
bergan, am Stacheldraht entlang;
auf dem flachen Rücken des Gebirgs ein ausgebauter Weg,
dessen Breite seiner Menschenleere widerspricht. -


Zwischen schlanken Buchenstämmen,

unter himmelhohen Fichten
geht es zügig weiter.
Immer wieder kommt die Sonne
wärmend durch ein Fenster in dem grünen Dach.
Wind kommt rechts den Hang hinaufgeklettert,
eine Schonung gibt ihn plötzlich frei -
und den Blick ins Tal:
Wiesen mit weidenden Kühen,
wogende Felder im Wind,
Rote Dächer, mit und ohne Rauch,
Schwarze Wegebänder,
das hellere Grau einer Straße,
und drüben das grüne Gewand des anderen Berges,
der unter der Sonne dampft. -

Später wieder abwärts durch den Hohlweg,
der mit Geröll und bloßgelegten Wurzeln
einem trocknen Bachbett gleicht.
Und dann der Straße nach in Staub und Sonne. -

Je weiter ich den Wegen folge,
desto größer wird mein Widerstand,
mein Widerwille gegen Dies und Hier.
..........
Komm, laß uns gehn!
Die Straßen rufen, die frisch bestellten Felder,
die Wälder und Wiesen, die sich langsam schmücken;
all die fremden Orte warten auf uns:
der Bäckerladen, der uns duftende Köstlichkeiten schenkt,
die wir auf einer Bank am Dorfkirchplatz verzehren;
der Bauernbursche auf dem Traktor, dem wir zuschaun;
der Forstgehilfe, den wir angesprochen haben;
Die Bank aus rohen Stämmen überm Tal;
der See mit der versteckten Weidenbucht;
der Wiesenhang abseits der Straße;
der unverhoffte Bauernhof, wo wir den Weg erfragen;
das alte Wirtshaus mit den knarrenden Treppen...

Komm! Laß uns gehn!


Sommerausruf

Es ist Sommer!
Wir sind frei,
etwas näher dem Paradies!


Vom Schwimmen und Baden

Das Wasser umfängt mich.
Es trägt mich.
Ich bewege mich darin,
und es bewegt sich mit,
gibt freundlich nach.

Ich bewege mich darin fort.
Es nimmt mich auf
und widersteht mir nicht.
Es bedroht mich.
Es will mich.
Ich lasse mich darauf ein,
versenke mich darin,
tauche darin unter.
Im Traum atme ich es sogar.

Im Wasser sein heißt:
dem Wasser gehören,
sich ihm anvertraun,
sich ihm anpassen,
angleichen,
sich ihm anverwandeln,
sich renaturieren,
natürlich werden im natürlichen Element.

Freier ist man im Wasser
als auf dem Trocknen,
äußerlich ärmer zwar,
aber reich in der Harmonie des Daseins.


Vom Sonnenbaden

Hingestreckt -
Hingedehnt -
Dargeboten -
Hingegeben -:
der Wärme,
dem Licht.
der Strahlung.
Jeder Zoll meines Körpers giert danach,
Mit jeder Pore meiner Haut sauge ich sie ein:
Wärme,
Licht,
Lebenskraft,
kosmische Energie,
die mich erwecken, beleben,
verwandeln und vernichten kann.

Diese Stunde verbindet mich mit aller Kreatur:
mit Blättern, Blüten und Gräsern,
mit tanzenden Mücken und der Echse auf dem Stein,
mit Algen und Alligatoren,
mit Raubkatzen und Robben,
ja, selbst mit dem Sand der Wüste
und dem tauenden Gletscher.

Hingestreckt -
Hingedehnt -
Dargeboten -
Hingegeben -:
der Wärme,
dem Licht.
der Strahlung.


Ferienfahrt

"Sag mir, wohin führt unser Weg?" -
"Hinaus in den Morgen!
Der badet im Tau,
schmückt rot sich und blau
und kennt keine Sorgen.
Hinaus in den Tag!
Aus steinernen Nächten
zum Blütenkranz flechten
am grünenden Hag!:
Dorthin, ins Leben führt unser Weg." -

"Sag mir, wohin führt unser Weg?" -
"Durch Wiesen und Felder!
Da duftet die Mahd,
da reift uns die Saat,
da singen die Wälder.
Ja, auch durch den Wald,
wo Rascheln und Weben
uns ringsher umgeben;
da rasten wir bald.
Dorthin, ins Leben führt unser Weg." -

"Sag, wohin führt unser Weg?" -
"Hinauf auf die Höhen!
Das kostet viel Schweiß;
der Mittag ist heiß.
Wir werden's bestehen!
Der Weg ist so steil,
er läßt uns nicht singen.
Wir müssen es zwingen
mit Pickel und Seil.
Dorthin, ins Leben führt unser Weg." -

"Sag mir, wohin führt unser Weg?" -
"Durch Länder und Lieder!
Auf Straßen, so lang,
durch Nächte so bang,
und legen uns nieder.
Und baden im Bach:
Der wird uns erquicken
und weiter uns schicken,
dem Wind immer nach.
Dorthin, ins Leben führt unser Weg." -

"Sag mir, wohin führt unser Weg?" -
"Wir suchen die Ferne,
die Stille, die Rast,
das Lied und die Last;
und tragen sie gerne.
Und tragen ein Stück
von allem da drinnen;
und scheiden von hinnen
und kehren zurück.
Zurück ins Leben führt unser Weg."


Haus im Grünen

Es ist ein Garten, den ich manchmal träume: *
An seinem Anfang, hingelagert, breit, ein Haus.
Eine Terrasse geht nach Süden hin,
wo ich des Morgens schon zum Frühstück sitze
und abends spät bei stillem Trunk.
Links entlang dem Grundstück, zwischen Hecken, geht ein Weg,
auf dem frühmorgens Bauern zu den Feldern fahren
und mittags Kinder lärmend aus der Schule kommen.
An die Obstbäume rechts schließt sich ein kleiner Wald.
Und hinterm Zaun jenseits des Gartens
blickt man auf träge grasendes Vieh...

* Die erste Zeile ist entlehnt von Gottfried Benn


Werse

Rute an Rute die Weiden,
strebend dem Wasser zugeneigt,
Schatten gewährend den Ufern,
daß kühler umspüle
Dickicht und Wurzeln
das nasse Element.

Blatt an Blatt die Rosen,
Grünender Teppich den Hühnchen,
Krakenarme dem Ruder,
schwimmende Inseln,
mit schwankenden Seilen
am Grunde gehalten.

Und immer wieder ein neues Bild,
hinter jeder neuen Windung:
Breite, teichartige Flächen,
wo Wasser- und Sonnenflut warm ineinander dringen,
laden zum Schaukeln ein und Sich-treiben-lassen. -

Dann schattige Alleen
mit steilen Ufern,
dickicht bestanden,
enge Seitenarme,
heimliche Verstecke,
Liebesbuchten. -

Und Wald und verwilderte Ufer,
faulende Stämme, brackiges Wasser,
Mücken und blinde Fliegen, -
Rohrsänger, Grasmücken, Nachtigallen,
von Ferne Motoren und Bahngeroll,
ein Sportflugzeug auf seinem Rundflug...

Und wieder Steg auf Steg am Ufer,
Boots- und Wochenendhäuser,
mit ausbesserndem Hämmern und Sägen,
mit Liegestühlen und Radios. -
Und Weiden - und Rosen - und Ruder -


Tage mit H.

Es war ein Sommer, sieben Tage lang,
und wir in einem Boot.
Ein oft Geträumtes vor die Sinne sprang
und war doch anders: klarer noch und unbedroht
von jenem Dämon dunkler Tiefen.

Wir redeten mit Glauben und mit Hoffen
und gingen Hand in Hand.
Der Himmel war wie unsre Herzen offen
und um uns her ein neuvertrautes Land,
in das uns Mut und Träume riefen.


Strandkoller

Die endlosen Stimmen, die ewige Brandung -:
Dieser Urlaub macht mich krank.
Schlimme Wünsche werden geweckt:
jünger zu sein, viel jünger;
anders zu sein, vor allem freier, unbekümmerter;
und - am schlimmsten - ohne die Ketten zu sein.
Schlimme Wünsche, weil völlig unerfüllbar;
und nie Gewesenes wird zurückersehnt.
Soll es Erholung sein, ist es nicht Krankheit,
meiner Identitäten überdrüssig zu sein? -

Vom Liegen zum Liegen Nacht und Tag:
Es ist, als wäre ich krank.
Nicht nur, daß der Rücken schmerzt;
auch das Gehirn beginnt herumzuliegen,
und die Sinne sind noch weniger wach als sonst.
Nur die Nerven sind seltsam labil,
erschreckend!
Kann das Erholung sein? Macht mich der Urlaub krank?

Dabei ist vieles positiv:
Endlich ein Sommer, wie geträumt,
ganze Tage halbnackt,
Sonne, Wasser und Wind wohlig auf der Haut.
Und dazu nicht nur Leute, sondern auch etliche Menschen.
Aber ich bin wie von außen verschlossen,
abwesend - unbetroffen.
Nur manchmal seh ich mich selbst vor die Türe treten.

Erholung oder Krankheit?: Wie im Fieber
viele Fragmente fallen mir ein:

- Visionen, die nie enden... Ein Kind weint in der Nacht...
- Das Frevle streben, wie ein Gott
den Dingen einen Sinn zu geben...
- und im Vorüberlaufen die Erwachsenen zu streifen...
- Das Gras war das erste... Auf blank gewischten Stufen...
- Es gibt Lieder, Melodien...
- Etwas von dir wird noch verweilen...
- Und die Ihn tief in sich zugrunde richten...
- Wer den Frevel kennt allen Gesangs...
- wer je mir spräche: "Er ist tot"...
- Ihr habt ein Gefühl von Gesicht zu Gesicht...
- Und unsre Rosse rauschen wie ein Regen...
- Flußabwärts treiben die Blumen...
- In das blasse Gesichtchen die Wellen schon weh_n...
- Besucht mich auf Lauheide... - - -

Und dazwischen immer wieder die Stimmen der Toten:

- Als mein erster Freund starb...
- Es zog ein Morgen herauf zu mir...
- Mitten in dem Leben...

Genug! Genug! Wach auf

(Neptun, 8. August 1981)


Goliath

eine Wespe umschwirrt meinen Kopf,
und ich gerate vom Weg ab;
eine Wespe in meinem Zimmer,
und ich reagiere mit Panik.
Wie kann ein so kleines Lebewesen
mich nur so aus der Fassung bringen!
Dabei habe ich Wespenstiche,
so unangenehm und schmerzhaft sie auch waren,
doch durchaus glimpflich überstanden.
Was also versetzt mich so
in Furcht und Schrecken?
Und wie kann ich glauben,
Gefahren des Alltags,
Unglück,
Krankheit,
dem nahenden Tod
mit Gelassenheit zu begegnen?


Auf "Einsamer nie" von Gottfried Benn

Besinnungsstunde im August,
inmitten rot und goldner Brände,
der Fülle unter weichem Himmel,
inmitten stillen, stolzen Glanzes
der Äcker und der Sonnenseen -:
Wo reifen deiner Felder Ähren?
Was sind die Früchte deiner Gärten?

Besinnung mitten im Genuß,
"im Weingeruch, im Rausch der Dinge" -:
Wo ist dein Wurzelgrund geblieben?
Wo ist das Licht für deine Krone?

Erfüllungsstunde? Leises Glänzen? -
Weswegen könnten sie dich kränzen
in dem von dir vertret'nen Reich?
Hast du nicht längst dein Land vergessen,
so wie dein Ziel, wenn du's besessen?
Ist's dir nicht ferner jetzt als je? -

Du hast dich leidlich eingerichtet:
Du hast gespielt, erzählt, gedichtet;
was aber hast du echt gesät?
Du wanderst planlos durch die Auen,
willst Schlösser, Kathedralen schauen,
du rastest unter alten Eichen
und stammelst längst vergilbte Zeichen.
Du fliehst das Leben auf den Gassen,
willst dich von niemand fragen lassen,
weil du den Weg ja doch nicht weißt. -

Doch manchmal wird dir stumm bewußt:
Ist niemand, dem du Dienste tust,
nicht mit der Hand, nicht mit dem Geist.
"Wo alles sich durch Glück beweist", -
"Einsamer nie als im August."


Am Ende des Sommers *

Nun reden sie schon vom Spätsommer,
und das Bild der Waage mahnt,
daß sich die Waage langsam neigt:
Es neigt der Sommer sich, das Jahr, das Leben auch wohl.

Noch gestern lagen wir an Stränden,
suchten in den Fluten Kühlung,
empfanden angenehm den Wind auf unserer Haut. -
Und heute dehnen wir uns schon am Morgen
gierig dem ersten Wärmestrahl entgegen
und finden, daß es abends schon empfindlich kühl sei.
Noch gestern lebten wir, als sei der Winter
nur ein böser Traum gewesen,
als sei im Grunde unser Leben
stets eine Kette nur aus lauter Sommern
gewesen und die Winter Träume;
doch schon steigt eine Ahnung in uns auf,
vielleicht sei doch der Sommer nur ein Traum,
der im Erwachen unaufhaltsam
uns zwischen unsern Fingern rasch verrinnt:
so wie der Sand an seinen Stränden,
wie das Haar, das wir gestreichelt.

Vom Spätsommer reden sie schon;
bald reden sie vom Herbst.
Neulich kauften wir noch Pfirsiche,
der sommerlichen Süße Sonnenkinder;
nun werden schon die Trauben billiger,
und bald wird ihren Saft die Kelter trinken.
Es wird gewiß ein guter Wein,
so wie der Sommer gut war;
und noch nach Jahren wird er uns des Sommers Sonne
und manche seiner Stunden funkelnd wiederschenken.
Verwahrt ihn gut: für jene Stunden,
in denen euer Wintertraum am schwersten ist,
damit er Zeugnis gebe von des Sommers Wirklichkeit:

von Sonne, weißen Wolken und Gewittern,
von Blumen, Pfirsichen und warmem Sand,
den gnädigen Geschenken des verlor'nen Paradieses.

Spätsommer - Herbst -: Die Waage mahnt,
daß sich die Waage langsam neigt:
das Jahr - die Welt - das Leben. -
So legt die Frucht des Herbstes,
voll des Sommers Süße,
in die Schale!

(2. September 1964)

(c) Friedemann Fuhrmann / Münster


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