Litanei zum Neubeginn


Friedemann Fuhrmann


V.: Und wieder ein neuer Tag.
    Was er wohl bringen mag?
    So denk ich und schließe mein Zimmer.
A.: Neubeginn ist immer.

V.: Der Nachbar startet seinen Wagen.
    Den preist er nun seit vierzehn Tagen.
    Der alte ging beim Unfall jüngst in Trümmer.
A.: Neubeginn ist immer.

V.: Die Busgesellschaft hat die Preise angehoben.
    Dafür will mehr Komfort sie nun erproben.
    Doch Pünktlichkeit und Fahrplan werden schlimmer.
A.: Neubeginn ist immer.

V.: Fünf neue Mitarbeiter sollen heute kommen.
    Aus hundert Kandidaten wurden sie genommen.
    Der Chef meint, dass am besten ich mich um sie kümmer’.
A.: Neubeginn ist immer

V.: Ab heute die Kantine übernimmt ein neuer Pächter.
    Manche nörgeln: hoffentlich wird’s Essen nicht noch schlechter.
    Jedoch allmählich kann ich’s nicht mehr hören, dies Gewimmer.
A.: Neubeginn ist immer.

V.: Mein Kollege hat mit seiner Freundin Schluss gemacht.
    Ihm geh’ es jetzt, als sinke er in einen tiefen Schacht.
    Wir hätten davon, sagt er, keinen Schimmer.
A.: Neubeginn ist immer.

V.: Heute Abend Probe für den Chor.
    Der Dirigent legt neue Noten vor.
    Die meisten Sänger sind da erst Mitschwimmer.
A.: Neubeginn ist immer.

V.: So geht es Wochen, Monate und Jahre.
    Dabei ich stetig Neubeginn erfahre,
    bis Ihr die letzte Tür mir schließt am engen Zimmer.
A.: Neubeginn ist immer.

(c) Friedemann Fuhrmann / Münster


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