Kreislauf


Friedemann Fuhrmann


Ein Regentropfen fällt ins Meer,
von wo er aufgestiegen war.
Nur für die kurze Zeit des Falls
ist er ein Tropfen:
von dem Moment an, als er sich
an einem Materiestäubchen kristallisierte
und damit schwerer wurde, sank - und fiel.
Erst trug ihn noch der Wind
und hob ihn scheinbar auf;
doch, stetig wachsend, fiel er immer rascher
und unaufhaltsam auf die weite Fläche zu,
bis er sie klatschend trifft -
zerspritzend - aufgelöst.

Für Augenblicke unterscheidet er sich noch vom salz'gen
Element,
dann ist er sein Bestandteil, ist das Meer:
das braust und wogt und gischtet
und in dunklen Tiefen schweigt,
umspülend Inseln, Kontinente,
aus dem der Dunst emporsteigt, der die Wolken bildet,
aus denen Regentropfen fallen...

Ewiger Kreislauf! Ungeheures Sein und Werden,
das Existenz des Individuums nur kennt
als Übergang, als kurzes Zwischenspiel.

(c) Friedemann Fuhrmann / Münster


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