Über die Kosten und das Kosten


Dieter Rietz     ( 2005 )


“Durch Fondsrückgabe zur Planerfüllung” lautete in den letzten Jahren der DDR eine der zahlreichen Losungen. Nur wenn die Betriebe nicht alles eingeplante Material verbrauchen und die vorgesehene Arbeitszeit nicht voll ausnützen würden, erfüllen sie den Plan. So verstand ich die Parole. Aber wahrscheinlich war gemeint: “Trotz Fondsrückgabe zur Planerfüllung.” Viele der DDR-Betriebe produzierten zu kostenaufwändig. Deshalb forderten Partei und Regierung, die auf Kosten des Volkes lebten und es sich reichlich kosten ließen, immer wieder Kostensenkung. Koste es, was es wolle. Einige Betriebe fanden einen Ausweg, indem sie die Gesamtkosten auf den Preis aufschlugen. Die Preiserhöhungen, die zu einer schleichenden Inflation führten, begründeten sie mit besserer Qualität, was aber selten zutraf.

Auch heutzutage steigen die Lebenshaltungskosten. Mit höheren Rohstoffpreisen wird es begründet und die Produktion sei vielfach zu kostenaufwändig. Die Lohnkosten und die Lohnnebenkosten seien in Deutschland zu hoch. Auswege aus diesem Dilemma sind Verlängerung der Arbeitszeit, ohne dass der Lohn erhöht wird, Verringerung der Sozialleistungen und Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer. Das kostet uns Deutschen zwar Arbeitsplätze, sichert aber den Maximalprofit der Unternehmer und denen ist das Hemd näher als der Rock. Dass die Gehaltskosten der Aufsichtsratsvorsitzenden und der Manager extrem hoch sind und nicht angetastet werden dürfen, steht nicht zur Diskussion.

Obwohl es verboten ist werden von einigen in Regierungskreisen, gesponserte edle Getränke und Delikatessen verkostet und Geschenke entgegen genommen. Dafür revanchieren sich die Nutznießer mit der Befürwortung von Subventionen und Steuervergünstigungen.

Lafontaine warf 1990 die Frage auf, was die Einheit Deutschlands kosten werde und zog damit den Unwillen der Kohl-Regierung auf sich. Aber die hatte sich gewaltig verschätzt bei den Kosten für die Verbesserung der Infrastruktur in den neuen Bundesländern. Die Staatsverschuldung der BRD wuchs erheblich und seit mehreren Jahren verletzt sie die Stabilitätskriterien der EU. Sicherlich trägt auch die enorm gestiegene Arbeitslosigkeit und der daraus resultierende Kaufkraftschwund dazu bei.

Als 1990 in der DDR die D-Mark eingeführt wurde, jubelten viele; “Was kostet die Welt? Jetzt wollen wir die Reisefreiheit auskosten.” Die wie Pilze aus dem Boden geschossenen Einkaufs-Märkte lösten einen Kaufrausch aus und nicht wenige stürzten sich unüberlegt in Unkosten. Wer keinen Ausweg fand, dem kostete es das Leben.

Das war eine Kostprobe über die Kosten und das Kosten.

(c) Dieter Rietz / Pirna


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