Paprika


Dieter Rietz     ( 2000 )


Manfred saß mit seiner Familie gemütlich beim Abendbrot. Zu seiner Freude hatte seine Frau von Ungarn, ihrem Heimatland, frische, rote Peperoni und hellgelben Gemüsepaprika mitgebracht. Von einer Schote schnitt Manfred sich ein paar Stücke ab. Sie waren fleischig und saftig. Gierig biss er davon ab. Überrascht stellte Manfred fest, dass der Gemüsepaprika scharf war wie Peperoni. Wasser trat ihm in die Augen. Er wollte sich Linderung verschaffen, eilte wortlos in die Küche und nahm einen kräftigen Schluck eiskalten Palinka, ein Obst-Brandy mit 50 Vol.-%. Aber nun war ihm, als ob er Flammen verschluckt hätte. Ungewollt rannen ihm Tränen über die Wangen. Mit der Hand wischte Manfred sie ab und nun brannten auch die Augen. Er schnappte nach Luft und schnitt Grimassen. Das Gelächter seiner Familie musste er über sich ergehen lassen. Seine Frau erklärte dann, dass Gemüsepaprika scharf werden könne, wenn auf dem Nachbarfeld Peperoni wachse und beide Arten gleichzeitig blühen. Statt Palinka hätte er trockenes Brot nehmen sollen. Warum sagte sie es ihm nicht vorher? Aber, konnte sie ahnen, wie Manfred das Feuer löschen wollte?

(c) Dieter Rietz / Pirna


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