Mitternachtsdurst


Dieter Rietz     ( 2005 )


Der garstige König Hussi, im Land, wo Euphrat und Tigris fließen, lag immer im Streit mit den Königen der Nachbarreiche. Er wollte der Schönste, der Reichste, der Mächtigste sein. “Das wirst du nur, wenn du mitternachts “Schwarzen Wein” trinkst”, flüsterte ihm im Traum ein Geist ins Ohr, und der garstige König erwiderte: “Wie kann ich das? Meine Quellen sind versiegt”, und der Geist antwortete: “Dein kleiner Nachbar im Emirat am Persischen Golf kennt das Geheimnis nicht. Er ist weder schön noch mächtig, nur reich. Er badet im “Schwarzen Wein”. Nach diesen Worten war der Geist verschwunden.

Am nächsten Morgen sann Hussi lange nach. Dann sprach er: “Ich will!” Und weil er garstig war, verjagte er 1991 den kleinen Nachbarkönig. Der aber weinte bitterlich, so dass es in allen Ländern zu hören war, sogar hinter dem großen Teich, wo der mächtige Kaiser Bussi regierte. Auch diesem schmeckte “Schwarzer Wein” vorzüglich, und wo er nur konnte, trank er ihn. Wenn er zur Belohnung von dem kleinen König viele, viele Fässchen des kostbaren Nass bekäme, würde er den Garstigen vernichten, versprach der Kaiser. Der kleine König war einverstanden, denn er wollte wieder in seinem “Schwarzen Wein” baden.

Der Rat der Kaiser, Könige und Fürsten hatte sich die Klage des kleinen Königs angehört und beschloss, dem garstigen König erst wieder Brot zu schicken, wenn er sich in sein Reich zurückgezogen habe. Wenn er nicht freiwillig gehe, würden sie ihn zwingen, erklärten sie ihm. Hussi lachte schallend. Da wurden die anderen Herrscher zornig und ihre Knechte warfen mit Steinen nach dem Bösen und schossen mit Pfeilen nach ihm, sodass er schwer verwundet wurde. Trotzdem stillte er Nacht für Nacht seinen Durst.

Dem garstigen König war es einerlei, ob deshalb seine Diener verbluteten, ihre Hütten und seine Paläste zerstört wurden und sich Ströme des “Schwarzen Weines” über Felder und in Bäche ergossen. Nur an den Mitternachtsdurst dachte der garstige König Hussi und verfluchte alle, die ihn beim Trinken im anderen Land störten.

“Seid vernünftig”, mahnte Pussi, Kaiser eines riesigen, aber armen Reiches. Aber die Streitenden wollten nicht auf ihn hören, und der mächtige Kaiser verkündete, nun werde er nicht eher ruhen, ehe nicht der Tyrann getötet sei, und die Knechte des Kaisers warfen noch mehr Steine, schossen noch mehr Pfeile und schlugen mit Knüppeln nach dem garstigen König und dessen Dienern. Die Edelleute des Kaisers, die ihm dafür alles lieferten, freuten sich, denn er gab ihnen reichlich Münzen. Weil er raffiniert ist, forderte er von seinen Freunden, ihm seine Ausgaben weitestgehend zu ersetzen, und die waren so töricht, ihm zu gehorchen.

Der Geist aber, der dem garstigen König von der Zauberkraft des “Schwarzen Weines” erzählt hatte, sah auf die Widerstreitenden, die nur an sich dachten. Er wehklagte: “Oh, ich Unseliger, was habe ich angerichtet!” Doch das wollten weder Hussi noch Bussi hören.

Der garstige König blieb für den mächtigen Kaiser ein Dorn im Auge. Deshalb suchte er viele, viele Jahre nach einer Möglichkeit Hussi zu vernichten, bis er märchenhafte Gründe dafür fand. Er überredete einige Könige und Fürsten, ihre Knechte sollen Steine auf das Land des garstigen Königs fallen lassen und sie sollen mit Knüppeln auf dessen Diener einschlagen. Der arme Kaiser Pussi und auch unser Fürst weigerten sich mitzumachen und zogen dadurch den Unwillen Bussis auf sich. Der begann 2003 mit den Vasallen das böse Vorhaben durchzusetzen. Hussi wurde gefangen genommen und sein Land verwüstet. Seine Diener leiden darunter und wehren sich gegen die ungebetenen Gäste, denn sie durchschauen die Absicht des mächtigen Kaisers. Aber der gibt keine Ruhe und Allah ist machtlos.

(c) Dieter Rietz / Pirna


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