Mindestens haltbar


Dieter Rietz     ( 1995 )


Seit der Wende musste ich mich an viel Neues gewöhnen. Früher las ich auf den Verpackungen von Lebensmitteln: “Zu verbrauchen bis . . .” War das eine der so genannten verbrauchslenkenden Maßnahmen? Sollten die Kunden angehalten werden, sich keine großen Vorräte anzulegen? Keiner wusste, ob er Mangelwaren in den nächsten Wochen wieder bekommen würde. Bei alkoholfreien Getränken und Bier brauchte ich, wenn es mal längere Zeit heiß war, meist nur von Geschäft zu Geschäft gehen, um hier oder dort ein paar Flaschen zu ergattern und verbrauchte das Getränk schneller als ich es kaufen konnte. Deshalb interessierte mich der Hinweis “Zu verbrauchen . . .” nicht, bis ich einige Male auf die Nase gefallen war, denn statt Bier hatte ich eine trübe, übel schmeckende Brühe erwischt, auf deren Genuss ich verzichtete.

Aber jetzt lese ich: “Mindestens haltbar bis . . .” Darf ich diesen Angaben trauen? Weil ich keine Lust habe, aller paar Tage einzukaufen, hole ich mir einen vollen Kasten. Angeblich sollen sich der Apfelsaft und das Bier ja halten. Aber denkste! Kartons beziehungsweise Flaschen sind leer, ehe das angegebene Datum erreicht ist. Die Hersteller beschwindeln mich also.

(c) Dieter Rietz / Pirna


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