Marktwirtschaft


Dieter Rietz     ( 1991 )


“Weißkohl - 1 kg nur 1,49 DM” verkündet ein Schild beim Gemüseladen. ’Nur 1.49 ? Ganz schön happig’, denke ich. Na ja, im Frühjahr verlangte man mehr als das Doppelte dafür. Aber vor nicht allzu ferner Zeit war Kohl fast ein Pfennigartikel. 30, höchstens 40 Pfennige kostete ein Kilogramm. Das war einmal. Jetzt gibt es keine Subventionen mehr. Die Marktwirtschaft hielt Einzug, und viele Bauern stehen am Rande des Ruins. Sie produzieren zu teuer. Der Kohl muss 10 km transportiert werden. das kostet Geld. Der Händler will auch verdienen. Der Staat fordert seine Steuern, und trotzdem liegt der Kohlpreis bei “nur” 1,49 Mark.

Ich kaufe Bananen. 1 Kilogramm für 0,99 DM. Aus dem fernen Afrika kommen sie. Der Schiffstransport, die Zwischenlagerung, die Weiterbeförderung zum Geschäft müssen bezahlt werden, und der Besitzer der Bananenstauden achtet auch auf einen guten Erlös, denn davon will er leben und muss die Plantagenarbeiter entlohnen. Und trotz allem nur 0,99 DM für 1 kg
Ich kann es nicht begreifen! Ist das auch Marktwirtschaft?

In der Zeitung steht eine kurze Notiz: “ . . . dass in Afrika derzeit fast 30 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht sind und täglich 10 000 Kinder infolge Unterernährung sterben.”
( SZ vom 28./ 29.9.91, Seite 2 )

Die Bananen schmecken mir ausgezeichnet, aber es bleibt ein sehr bitterer Nachgeschmack, denn auch in diesem Moment verhungern Kinder der Bananenpflücker. In jeder Minute sieben afrikanische Kinder!!

(c) Dieter Rietz / Pirna


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