Gedanken auf Abwegen


Dieter Rietz

Beitrag zum Joachim-Schnell-Schreibwettbewerb 2009. Die in das Werk einzufügenden Pflichtwörter waren: Apfelsine, Armband, Esel, Kopf, Laune, Schimmel, Schwalbe. Strohhalm und Treue.


Ich habe mir vorgenommen, eine kurze Geschichte zu schreiben. Das ist manchmal so eine Laune von mir, wenn ich Langeweile habe. Vor mir liegt ein noch jungfräuliches weißes Blatt Papier. Ebenso leer ist zurzeit auch mein Kopf. Ob die Vitamine einer Apfelsine da weiter helfen, ist zu bezweifeln. Die Gedanken schweifen ab zu meiner geliebten Freundin, die mir schon seit einigen Jahren die Treue hält. Mir fällt ein, dass sie bald Geburtstag hat. Ich werde ihr das Armband schenken, welches sie neulich bei unserem Spaziergang im Schaufenster des nahe gelegenen Juweliergeschäftes bewundert hat. Sabine ist mir diese Ausgabe wert. Denn als ich bei meiner Examensarbeit nicht mehr weiter kam mit meinem Wissen, warf sie mir den symbolischen rettenden Strohhalm zu. Dank ihrer Hilfe bestand ich das Examen. Dieser Erfolg sollte keine Eintagsfliege bleiben, denn ich bin doch kein Esel und weiß, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Ich muss also noch andere Prüfungen machen und mir eine lukrative Arbeitsstelle suchen. Wenn ich dann gut verdiene, kann ich ihr eventuell auch ihren geheimen Wunsch nach einem eigenen Reitpferd erfüllen. Das müsste aber ein Schimmel sein. Von Rappen und Falben ist sie nicht begeistert. Wollen wir hoffen, dass es bald klappt und die Zeit bis dahin nicht zu lang wird. Mit dem Schreiben einer Geschichte wird es nichts. Meine Gedanken sind zu sehr auf Abwegen.

(c) Dieter Rietz / Pirna


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