Etwas Regnerisches


Dieter Rietz     ( 2005 )


Gestern war so richtiges Aprilwetter. Eine große, tiefschwarze Wolke verdunkelte den Himmel. Ich musste die Beleuchtung einschalten. Regentropfen klatschten an die Fensterscheibe. Wer bei diesem Regenguss unterwegs war, dem halfen weder Regenmantel noch Regenschirm. Starke Windböen bliesen die Regenwolke fast fort und minutenlang fiel nur noch Nieselregen. Dann strahlte wieder die Sonne. Das überreichliche Regenwasser war in die Gullys abgelaufen. Nur noch Pfützen erinnerten an das Unwetter. Aber es blieb nicht lange trocken. Sprühregen setzte ein. Doch dabei schien die Sonne und es entstanden zwei Regenbögen. Ein kräftiger und dahinter ein blasser. Weil mir das Wetter zu unbeständig war, verzichtete ich auf den geplanten Einkaufsbummel. Stattdessen blätterte ich in einem Nachschlagewerk. Irgendwann hatte ich mal etwas über Regenpfeifer gehört. Mich interessierte, was das für eine Vogelart ist und, wie sie aussehen, wo sie leben und was ihre Hauptnahrung ist. Fressen sie auch Regenwürmer? Das Telefon störte mich bei der Lektüre. Max, ein alter Bekannter, rief aus Regensburg an. Nach allgemeinem Blabla über Berichte in der Regenbogenpresse, sie schrieben über eine siegreiche Fußballmannschaft, die nicht nur mit einem Blumenregen, sondern auch mit einem Geldregen überschüttet wurde, über eine mir unbekannte Regen-tin und auch von einem Skandal über das Regenbogentrikot. Endlich kam Max auf den eigentlichen Grund seines Anrufes. Ich wisse doch, sich regen bringt Segen, und er wolle mich anregen, bei seinem neuen Projekt mitzumachen. Er redete und redete, ohne konkret zu werden. Ich war gespannt wie ein Regenschirm und wollte mich schon aufregen über sein Geschwafel, als er erklärte, er müsse erstmal seine Regenbogenhautentzündung auskurieren, dann würde er mir genaueres mitteilen. Er legte auf und ließ mich im Unklaren. Aber ich sagte mir, warum sollte ich mich erregen. Keine Hand würde ich für ihn regen, denn ich käme sicherlich wieder vom Regen in die Traufe. Sein vergangenes Projekt, bei dem ich dummerweise mitmachte, war schief gelaufen. Max hatte mich dann im Regen stehen lassen. Würde sich jetzt sein Gewissen deswegen regen? Ich bezweifelte es. Deshalb war es mir egal, ob er ein Gesicht wie 10 Tage Regenwetter ziehen würde, wenn er von meiner Absage erfuhr. Um mich abzuregen, schaltete ich den Fernseher ein. Ein Märchenfilm über die Regentrude ging gerade zu Ende und es folgten Nachrichten: “Reagan heißt der neue Präsident der USA. Die Regenration der Felder . . . . Ich korrigiere: Die Regeneration der Felder. . .” Dann hörte ich:

Extrem starke Regenfälle zu Beginn der Regenzeit hätten in mehreren Ländern zu Überschwemmungen geführt. Naturschützer befürchten eine Klimaänderung, wenn dem übermäßigen Abholzen des Regenwaldes nicht Einhalt geboten werde, ein umfangreiches Regengebiet überquerte Deutschland, auf regennassen Straßen ereigneten sich dabei zahlreiche Verkehrsunfälle .In höheren Lagen ist mit gefährlichem Eisregen zu rechnen. Ich hatte genug von diesem Regen, zumal eine neue Regenhusche niederging.

Das war gestern. Heute scheint es ein warmer, sonniger Tag zu werden.

(c) Dieter Rietz / Pirna


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