Deutsch-Kursus III


Dieter Rietz     ( 2005 )


Meine Damen und Herren, ich eröffne den dritten Deutsch-Kursus für Ausländer. Ich freue mich, sehr viele Teilnehmer der beiden vorangegangenen Lehrgänge zu sehen. In diesem Kursus befassen wir uns zunächst mit dem Dativ und dem Akkusativ. Früher sagte man Wem- und Wen-Fall, denn man stellte die Frage “wem?” bzw. “wen oder was?”, um entscheiden zu können, welch Fall anzuwenden sei. Ich nenne Ihnen als Beispiel: “Wem gehört das Buch? Dem Mann. Wen sehe ich? Den Mann. Was sehe ich? Den Turm, das Kind.” Die Beachtung dieser Frageworte wird Ihnen viel helfen.

Nebenbei möchte ich bemerken, dass in einigen Gegenden Deutschlands umgangssprachlich überwiegend der Dativ, in anderen der Akkusativ bevorzugt wird. In Berlin und Umgebung werden Dativ und Akkusativ gern vertauscht. Im Plattdeutschen fand man für “mir” und “mich”, “dir” und “dich” eine einfache Lösung. Es gibt nur “mi” und “di”. Ich erwähnte diese Tatsache nur, denn Sie wollen ja grammatisch einwandfreies Hochdeutsch lernen.

Unbedingt notwendig ist für Sie die Kenntnis aller Präpositionen und welchen Kasus, oder auf deutsch gesagt Fall, sie verlangen. Wir behandeln zunächst nur die wichtigsten für Dativ und Akkusativ. Präposition heißt auf deutsch Verhältniswort und gibt eine Beziehung zum Substantiv, früher Haupt- oder Dingwort genannt, an. Das Substantiv, zu dem ich Ihnen immer ein Beispiel nenne, kann einen Gegenstand, wie Buch, ein Ereignis, die Feier, oder ein Lebewesen, wie der Fuchs , betreffen.

Der Dativ ist anzuwenden, nach den Präpositionen: aus, außer, bei, gegenüber, mit, nach, seit, von, zu. Den Akkusativ verlangen die Präpositionen: durch, für, gegen, ohne, um. Eine Sonderstellung nehmen die Präpositionen: an, auf, hinter, neben, in, über, unter, vor, zwischen ein. Kann die Frage “Wo?” gestellt werden, ist der Dativ anzuwenden. Zum Beispiel: “Wo bin ich? In dem Zoo.” Bei der Frage: “Wohin?” ist der Akkusativ erforderlich. “Wohin gehe ich? In den Zoo.” Kann weder “Wo?” noch “Wohin?” gefragt werden, ist bei den Präpositionen auf und über der Akkusativ, bei den anderen zuletzt genannten Sonderfällen der Dativ zu verwenden. Als Beispiel möge dienen: “Die Kinder bereiten sich auf das Diktat vor. Über das Ergebnis wird dann gesprochen. Von ihm hängt vieles ab.” Über Sonderfälle, wenn beispielsweise mehrere Präpositionen, die unterschiedliche Fälle verlangen, vor einem gemeinsamen Substantiv ohne Artikel stehen, sprechen wir später. Im Verlauf des Lehrgangs behandeln wir auch die Anwendung von Dativ und Akkusativ in Verbindung mit Verben, den Tätigkeitswörtern. Geben, schenken, begegnen, verlangen den Dativ, singen, kehren, treffen dagegen den Akkusativ. Bei einigen Verben sind beide Fälle möglich. “Martha schickt dich zum Arzt. Egon schickt dir das Buch.” “Der Lehrer schreibt dem Schüler einen Tadel ein. Der Lehrer schreibt den Satz an die Tafel.” Bei sehr wenigen Verben kann sowohl Dativ als auch Akkusativ benutzt werden, ohne dass sich die inhaltliche Aussage ändert. “Es kostet der Mannschaft den Sieg. Es kostet die Mannschaft den Sieg.” Doch auch darüber später.

Meine Damen und Herren, zum Abschluss des Lehrgangs besprechen wir den Genitiv, auf Grund der Frage “Wessen?” Wes-Fall genannt und die dazu gehörenden Präpositionen.

Ich bitte Sie, sich das heute gehörte gut einzuprägen und zur nächsten Kursstunde selbst gefundene Beispiele mitzubringen.

(c) Dieter Rietz / Pirna


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