Das Paradies


Dieter Rietz     ( 2003 )


Obwohl im Paradies Tag und Nacht die Sonne schien und es nie regnete, gediehen alle Pflanzen prächtig. Es gab Obst und Gemüse in Hülle und Fülle. In Bächen floss Honig, Milch und Wein Die Seen waren mit Bier gefüllt. Gebratene Tauben flatterten am Himmel, knusprig braune Hühnchen stolzierten umher und leckere Spanferkel. Es war wie im Schlaraffenland. Aber Tabak und Schnaps fehlten. Daran hatte der Herr nicht gedacht. Tag für Tag erfreute er sich an seiner Schöpfung. Nach langer Zeit bemerkte er, dass etwas fehle, ein ihm gleichendes Wesen. Er nahm einen Lehmkloß und formte daraus, was er Mensch nannte. Dem hauchte er Leben ein und gab ihm den Namen Adam. Dieser genoss das Dasein, fühlte sich aber bald einsam, denn er konnte mit niemandem sprechen. Der Herr erkannte die Not, nahm von Adam eine Rippe und schuf daraus Eva. Dann sprach er: "Lebt glücklich und zufrieden im Garten Eden. Ihr dürft von allem nehmen, so viel ihr wollt und was euch schmeckt. Aber jenen Baum meidet." Dabei zeigte er auf einen Baum, der goldene Äpfel trug. Adam und Eva versprachen Gehorsam und beachteten das Gebot.

Sie waren wie unschuldige Kinder, nahmen nicht gewahr, dass sie kein Fell trugen wie einige Tiere und ihre Körper eine unterschiedliche Gestalt zeigte. Eines Tages schlich sich der Teufel ins Paradies, verwandelte sich in eine Schlange und flüsterte Eva ins Ohr: "Esse gemeinsam mit Adam einen goldenen Apfel vom Baum der Erkenntnis. Ihr werdet dann ein Wunder erleben." Eva wollte nicht. Sie weigerte sich, weil sie an ihr Gelöbnis dachte. Aber die Schlange gab keine Ruhe. "Denke an das Wunder." Eva ließ sich betören. Sie überredete Adam und beide aßen von einem Apfel, als sie im Gras lagen,

Sie bekamen große Augen. "Eva, du hast so schöne Äpfel." Adam streichelte sie und berührte sie mit seinen Lippen. "Mach weiter so, lieber Adam. Das ist ein so herrliches Gefühl, wie ich es bisher nicht kannte." Dann strich sie über Adams Brust, fand keine Äpfel, aber weiter unten etwas, was bei ihr fehlte. Sie spielte damit und staunte, weil es groß und kräftig wurde. Auch Adam freute sich und weil er ganz nahe bei ihr sein wollte, schmiegte er sich an sie. Beide schwelgten in Wonne, bis sie ermattet waren.

Der Herr hatte alles beobachtet, wurde zornig und jagte Adam und Eva aus dem Paradies. Aber sie dachten an den Genuss, den sie empfunden hatten und bereiteten sich immer wieder diese Freude. Nicht mal ein Jahr war vergangen, da stellten die beiden fest, dass ihr Vergnügen nicht ohne Folgen blieb. Aber auch ihre Nachkommen amüsierten sich miteinander und allmählich füllte sich dadurch die Erde mit vielen Menschen, die letztendlich von Adam und Eva abstammen. Der Spaß am gemeinsamen Spiel ist bei allen bis heute erhalten geblieben.

(c) Dieter Rietz / Pirna


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