Böses Erwachen


Dieter Rietz     ( 2000 )


In den Semesterferien verdiente sich Manfred etliche Mark. Nun waren sechs anstrengende, erlebnisreiche Wochen vorüber. Der Abschiedsabend begann. Die Küchenfrauen des Ferienheimes wollten mit Manfred noch auf Brüderschaft trinken. Sie spendierten reichlich Bier. Manfred hatte trotz seiner 22 Jahre keine Kondition. Sein spärliches Stipendium erlaubte kein Training. Er betrat dann den Speisesaal. In ihm tanzten oder versuchten es, die Kinder. Ein Mädchen schnappte sich Manfred und drehte ihn im Kreise. Er bemerkte, dass es sich in seinem Kopf viel stärker drehte. Er musste hinaus in die frische Luft. Auch das Bier wollte hinaus. Hinter einem Kohlenschuppen war ein schmaler Waldstreifen. Manfred sagte sich, dass ihn dort niemand beobachten könne. Er fühlte sich müde. In seinem benebelten Zustand legte er sich hin und schlief sofort ein.

Wie Manfred in sein Bett gekommen war, wusste er nicht und ihn zu wecken fiel schwer. Der Leiter des Ferienlagers sagte, Manfreds Verschwinden habe Sorgen bereitet. Die Suche in allen Räumen war nämlich erfolglos. Schließlich habe ihn der Wachhund des Heimes aufgespürt. Manfred musste helfen, die Reiseverpflegung für 60 Kinder und ihre Betreuer zuzubereiten, obwohl er sich sehr elend fühlte. Er hatte nicht nur einen Kater, nein, das musste schon ein Tiger oder Löwe sein.

(c) Dieter Rietz / Pirna


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