Abendliche Abendstunde (doppelt gemoppelt)


Dieter Rietz     ( 1997 )


Blutrot war die Sonne in der späten Abendstunde bereits schon am unteren Horizont des azurblauen Himmels, den nur eine winzig kleine schneeweiße Wolke zierte, untergegangen, als ein alter Greis gemessenen Schrittes gemächlich durch die auf beiden Seiten von Bäumen gesäumte Allee tippelte, um zu dem viereckigen Quadrat seiner grasgrünen Wiese zu gelangen, von der er seinen weißen Schimmel, den gelblichen Falben und den schwarzen Rappen sowie seinen grauen Esel in den aus Steinen gemauerten Stall heim bringen wollte. Begierig sog der Alte den angenehm riechenden Duft des inzwischen zu Heu gewordenen frisch gemähten Grases ein, der von weiter Ferne zu ihm kam. Überraschend unerwartet senkte sich pechschwarze Nacht blitzschnell auf die Erde, und nach der Gluthitze des Tages fegte rasend eilig eiskalter Sturmwind über Feld und Flur. Das kurz zuvor noch im Laubgewirr des unweit nahe liegenden Laubwaldes zu hören gewesene Singen eines Singvogels verstummte abrupt jäh. Unheimlich ruhige Totenstille breitete sich aus. Dem Greis fröstelte in seiner ärmellosen Weste, und mit kleinen Trippelschritten ging er zu dem schmalen Rinnsal, großspurig Bach genannt, wo seine Tiere immer öfter weideten. Als Leckerbissen brachte er seinen Pferden süßen Würfelzucker mit. Plötzlich stutzte er, denn er sah in nächster Nähe den Feuerschein einer brennenden aus rohen Brettern gezimmerten Holzhütte. Der Alte überlegte, seinen kreisrunden federleichten aus Bast geflochtenen Strohhut schwenkend, ob er Alarm schlagen sollte, sagte sich aber, es habe keinen Sinn nicht, weil bei seinem langsamen Schneckentempo sowieso jede Hilfe zu spät käme. Die Balken würden sicherlich gewiss zu schwarzer Holzkohle werden, schwärzer als ein dunkelhäutiger Neger. Bleischwere Gedanken krochen ins Gehirn des Greises. Hatten Brandstifter den Brand angezündet? War der Schäfer, der dort meistens immer die größere Zahl seiner Schafe grasen ließ, unvorsichtig unachtsam gewesen? Unvermutet einsetzender Regen spülte die Gedanken des hochbetagten Alten fort, und bedächtig stapfte er über das regennasse Gras weiter. In der rabenschwarzen stockdunklen Finsternis konnte er seine Tiere nicht sehen. Der Alte sagte sich, es sei ein falscher Fehler gewesen, so spät zu fortgeschrittener Stunde loszugehen und gab die Suche auf. Sicherlich hatten seine Vierbeiner den Heimweg längst ohne seine Begleitung alleine heimgefunden.

Schreibenden Autoren wird empfehlend nahe gelegt, diesen Stil nicht nachahmend zu übernehmen.

(c) Dieter Rietz / Pirna


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