Lebenssinn


Dieter Kleffner


Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?
Worin besteht der Lebenssinn?
Was wird denn nach dem Tod geschehen,
wird es danach weitergehen?
Aus Ängsten vor der Endlichkeit
und der begrenzten Lebenszeit,
aus diesem großen Unbehagen
stellt der Mensch sich solche Fragen.
Um diese Ängste zu verdrängen,
musste er den Geist anstrengen.
Und der erschuf als Strategie
Die bilderhafte Fantasie.
Die ließ ihn über Grenzen sehen
Und mehr von seiner Welt verstehen.

Dass alles stets vergänglich war,
war schon dem Steinzeitmenschen klar.
Doch starb ein Freund, so brach sein Herz,
völlig trostlos war sein Schmerz.
Das Totenfeuer brannte nieder,
Die Furcht erfasste seine Glieder.
Er sah die Flammen voller Frust
Da brachte ein Gedanke Trost:
“wie das Holz im Brand vergeht
und sein Rauch zum Himmel weht,
So wird nach einem Menschenleben
sein Geist wohl in den Himmel schweben!”
So wurd‘ das Jenseits einst ersonnen,
so hat der Glaube wohl begonnen.

Doch wie im Diesseits jeder weiß,
stieg das Jenseits bald im Preis.
Denn kluge Priester und Propheten
schufen Regeln für das Beten,
bestimmten, wie man Göttern huldigt,
die angeblich ungeduldig.
Sie segneten nur noch die Frommen,
die später in den Himmel kommen.
Doch Diesseits, Jenseits gab es schon,
da gab’s noch keine Religion.
Für alle transzendenten Dinge
gibt es Riten und Gesänge.
Sie können das Jenseits nicht erklären,
sie helfen nur, es zu erspüren.

So nützlich auch der Glaube ist,
das Leben hat stets eine Frist.
Doch würden nicht Gefahren lauern
und das Leben ewig dauern,
dann wär‘ das Dasein eine Qual,
denn alles wär‘ dem Mensch egal.
Er würde keinen Sinn mehr suchen,
nur über Langeweile fluchen.
Der Tod ist also gar kein Feind;
die Schöpfung hat es gut gemeint.
Nur mit begrenzter Lebenszeit
ist der Mensch sehr gern bereit,
tief und intensiv zu leben
und seinem Dasein Sinn zu geben.

(c) Dieter Kleffner / Hattingen NRW


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