Jahresschlemmer


Dieter Kleffner


Im Januar ich Glühwein trink‘,
im Februar zum Schunkeln sing‘.
Ich liebe sehr den Après-Ski,
wärm‘ in der Schneebar mir die Knie.
Hoppelnd kommt der Osterhase,
stellt Weidenkätzchen in die Vase.
In Kuchenform gibt’s dann und wann
ein Lamm, den Hasen und den Hahn.
Der Braten hat nur einen Zweck:
Er rettet meinen Winterspeck.
Kaum sind gepellt die bunten Eier,
da lockt bereits die Mai-Tanzfeier.
“Mai-Bowle und das Mai-Bockbier
bloß nicht mischen!”, rat‘ ich dir.
Die Grill-Saison lädt Freunde ein;
schön knusprig muss der Sommer sein.
Die Seilbahn zieht mich auf die Höh‘n,
dort sitz‘ ich in der Sonne schön.
Zum Kühlen schlemm‘ ich noch ein Eis.
Die Waage ruft: “Lass‘ doch den…!”
Doch ‚in‘ mir herrscht mein Schweinehund,
steckt mir die Sahne in den Mund.
Nehm‘ ich am Strand dann noch ein Bad,
der schöne Wassernixen hat,
so fällt mir zwischendurch mal ein,
man lebt nicht für den Bauch allein.
Bald hängen Pflaumen schwer am Baum,
ein Kuchenduft erfüllt den Raum.
Mit Zwiebelkuchen, Federweiße
naht der Herbst ganz heimlich, leise.
Muscheln duften auf dem Tisch,
kommen aus der See ganz frisch.
Sankt Martin reitet stolz einher,
teilt Brezel im Laternenmeer.
Bevor die letzten Blätter fallen,
locken Printen in Regalen.
Dominosteine”, süß und fein,
laden mich zum Naschen ein.
Ich habe nicht sehr lang geschaut
und einen Stein davon geklaut.
Er schmilzt im Mund so wunderbar…
Leider schmilzt nun auch ein Jahr.
Wenn ich die Weihnachtszeit besinge,
wachsen am Bauch die Jahresringe.

(c) Dieter Kleffner / Hattingen NRW


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